STACJA NAUKOWA POLSKIEJ AKADEMII NAUK w WIEDNIU

VERANSTALTUNGEN

 Wissenschaftliches Zentrum der 

Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien

VORTRAGSABEND Nr.2
aus der Reihe
NATURPHILOSOPHIE und NATURWISSENSCHAFT
 
  (in Zusammenarbeit mit Univ.-Dozentin  MMag. Dr. Hisaki HASHI,
  Institut für Philosophie der Universität Wien)



Heimo HOFMEISTER, 
Wissenschaftlich - theologisches Seminar der Universität Heidelberg
spricht zum Thema:
Naturanschauung und Naturbegriff: 
Das Bergsteigen auf der Suche nach der Gottesschau und Selbstfindung
 

ZUSAMMENFASSUNG des VORTRAGS:
Naturanschauung und Naturbegriff: 
Das Bergsteigen auf der Suche nach der Gottesschau und Selbstfindung


Natur ist nicht nur Natur, sie ist Vieles: dem Bergsteiger, dem Maler beispielsweise ist sie Landschaft. Es war ein langer geistiger Prozess in der Geschichte unseres Denkens, bis Natur Landschaft werden konnte. Die Voraussetzungen dieser Entwicklung liegen in einem sich wandelnden Selbstverständnis des Menschen. Einer der ersten, der die Natur mit einem besonderen Sinn betrachtete und sie nicht nur als etwas mehr oder weniger Schönes ansah, war Francesco Petrarca (1304-1374). Sein Schauen, seine Besteigung des Mont Ventoux gilt gemeinhin als Entdeckung der Natur als Landschaft. Er selbst gilt vielen auch als der erste Bergsteiger. Natur nicht nur als das Fremde und Feindliche, sondern auch als das Große, Schöne und Erhabene zu sehen, macht es notwendig, die Natur neu zu entdecken. Es geht nicht psychologisch um eine neue Sichtweise von etwas, das eben so ist, wie es ist, sondern um das Offenbarwerden einer seinsmäßigen Differenz, die vorher nicht angesprochen und ausgedrückt war. Fragen wir – und die Bergsteigerei ist hierfür ein gutes Beispiel –, wieso für Petrarca die Natur die Gestalt der Landschaft annahm, so sehen wir, dass es seine Suche nach dem Grund alles Seienden ist, die ihn letztlich auch den Weg auf den Mont Ventoux einschlagen ließ. Bergsteigen ist immer auch Grenzerfahrung, sich die eigene Begrenztheit bewusst werden zu lassen und nach Möglichkeiten, diese zu überschreiten, zu forschen. Ein Reinhold Messner, ein Reinhard Karl oder ein Peter Habeler haben bei ihrer Besteigung des Mount Everest sicherlich nicht wie Petrarca Augustins Confessiones mitgeführt, aber auch sie waren geleitet vom Wunsch der Selbstfindung und der Suche nach dem Grund des Seins. Anhand des Bergsteigens und unter Hinweis auf die einschlägige Literatur sowie Aussagen und Erfahrungen großer Bergsteiger wollen wir uns der Frage „Was ist Natur?“ in Wort und Bild stellen. Die Natur in ihrer Wahrheit zu erkennen, ist ein Stück der Selbsterkenntnis des Menschen in seinen Grenzen und seiner Endlichkeit, denn der Unschuld gegenüber der Natur ist der Bergsteiger – und dies gilt von Petrarca bis Messner – längst entwachsen.