WISSENSCHAFTLICHES ZENTRUM
DER POLNISCHEN AKADEMIE
DER WISSENSCHAFTEN IN WIEN


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SEMINARABEND

im Wissenschaftlichen Zentrum der PAW in Wien
am 19. Februar 2003 

organisiert von der Polnischen Botschaft sowie dem Wissenschaftlichen Zentrum der PAW in Wien

 

Am Montag, dem 19. Februar 2003, fand im König-Jan-III-Sobieski-Saal der PAW in Wien ein Seminarabend zum Thema “Minderheiten in einem sich erweiternden Europa“ statt.


Der gut besuchte König Jan III Sobieski-Saal

Hauptprogrammpunkt war der Vortrag von Prof. Dr. Dorota Simonides, Professorin an der Universität Opole und langjährige Senatorin von Polen.


Prof. Dr. Dorota Simonides während ihres Vortrags

Zu Beginn des Abends begrüßte Professor Marian A. Herman die Gäste und bat um Verzeihung, dass die Mitorganisatorin der Veranstaltung, Ihre Exzellenz Frau Botschafterin Prof. Dr. Irena Lipowicz, lauf Grund kurzfristig aufgetretener diplomatischer Verpflichtungen leider daran verhindert war, am Seminarabend persönlich teilzunehmen.

Anschließend stellte Prof. Herman die Vortragende kurz vor und unterstrich, welch große Rolle Prof. Simonides in der polnischen und der internationalen Bedeutung hat. Weiters wies er darauf hin, dass die Kariere von Prof. Simonides aus zwei Abschnitten, einem wissenschaftlichen und einem politischen, besteht:

a) Wissenschaftliche Laufbahn

1951- 1953 Studium der polnischen Philologe sowie der Ethnographie an der Jagiellonischen Universität

1955 

1962 Dissertation an der Universität Wroc³aw

1970 Habilitation an der Mickiewicz-Universität Posen

1977 Berufung zur o. Univ.-Prof.

Professor Simonides arbeitet als Wissenschaftlerin an der Universität Opole.

1987-88 Forschungsaufenthalt an der Universität Göttingen.

1974-92 war sie Professorin an der Universität Wroc³aw und Leiterin des Lehrstuhls für Ethnographie

Prof. Simonides verfasste 300 wissenschaftlichen Publikationen (in verschiedenen Sprachen). Ihre Spezialgebiete sind die Schlesische Folklore sowie Folkloretheorie. Sie ist Präsidentin des Vorstands der  Polnischen Gesellschaft für Volkskunde  .

1990-94 war sie Vizepräsidentin der “ International Society for Ethnology and Folklore-Gesellschaft.

 b) Politische Laufbahn

                     1980-85 Abgeordnete zum Sejm - VIII. Regierungsperiode der Demokratiepartei

                                 Präsidentin der Kommission für Emigranten und Polen im Ausland (II. Regierungspartei)

   Vizepräsidentin der Kommission für Emigranten und Polen im  
    Ausland  (Senat - IV. Regierungsperiode) 

Nach der Begrüßung von Professor Herman hielt Prof. Simonides ihren Vortrag zum Thema: “Minderheiten in einem sich erweiternden Europa“. Als Grundlage zur Erklärung der Definition  des Begriffs „Minderheiten“ zog sie die sogenannte Kopenhagener Konvention heran. Gemäß dieser Konvention ist die Volkszugehörigkeit eine subjektive Kategorie für jeden Bürger. Das Wort Nationalität sollte in offiziellen Dokumenten nicht mehr Gebrauch finden. Die Staatsbürgerschaft sollte nur eine Kategorie der Volkszugehörigkeit sein. Als ein Beispiel nannte Prof. Simonides Polen. Als Minderheiten kann  in einem bestimmen Staat nur eine kleine Zahl von Menschen sein, die sich zu einem Volk zugehörig fühlt. Die Anerkennung einer Gruppe als Minderheit wird rechtlich geregelt. Die Regel bestimm die Zeit des Aufenthalts im Land (ein paar Generationen). Auf der Grundlage dieser Aussage erklärte Frau Prof. Simonides, warum den in Österreich lebenden Polen bis heute nicht der Status einer nationalen Minderheiten zuerkannt wurde.

Im zweiten Teil ihres Vortrag wies Prof. Simonides darauf hin, dass große Staaten wie etwa Beispiel Frankreich und Deutschland nach dem II. Weltkrieg nur sehr zögerlich  den Status einer nationalen Minderheit anerkannten. Die Sorben beispielsweise werden in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt, weil sie seit Jahrhunderten in einer bestimmten Region leben, sie gehörten zu verschiedenen Zeiten verschiedenen Staaten an. Leider trifft dies nicht auf die Polen zu, die dort leben aber nicht zugehören zu Polen. In Polen haben viele Nationen offiziell den Status einer nationalen Minderheiten, so etwa die Griechen und die Juden, obwohl diese auf polnischem Gebiet nie einen eigenen  Staat hatten.

Nach dem Vortrag wurde im Rittersaal zu einem Gläschen  Wein eingeladen. Dabei wurden die lebhaften Diskussionen fortgesetzt.


Prof. Dr. Dorota Simonides in angeregter Diskussion

 

 

                                                 

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