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Vortrag von Dr. Isabel Röskau-Rydel:
Deutsche in Galizien -
zwischen Integration und Abgrenzung (1772 - 1918)
Anlässlich des
ersten Vortrags im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen
Akademie der Wissenschaften im Jahr 2008 begrüßte Prof. Bogus³aw
Dyba¶
die
zahlreich erschienenen Gäste sehr herzlich und stellte die
Referentin des heutigen Abends, Frau Dr. Isabel Röskau-Rydel,
vor: Diese studierte Geschichte Ost- und Südosteuropas,
Slawische Philologie und Baltologie an der
Ludwig-Maximilians-Universität in München und verfasste ihre
Diplomarbeit zum Thema Polnisch-litauische Beziehungen in
der Zwischenkriegszeit sowie ihre Dissertation zum Thema
Kultur an der Peripherie des Habsburgerreiches. Die
Geschichte des Bildungswesens und der kulturellen
Einrichtungen in Lemberg von 1772 bis 1848. Seit 1993 ist
sie Vorstandsmitglied des Polnisch-Deutschen Zentrums e.V. in
Krakau. Weiters ist sie Herausgeberin des Band 10 der Reihe
Deutsche Geschichte im Osten Europas. -
Galizien, Bukowina, Moldau.
Von 2001-2004 nahm sie an einem Forschungsprojekt des
Deutschen Historischen Instituts in Warschau teil. Seit 2005
lehrt sie Geschichte am Institut für Germanistik der
Pädagogischen Akademie in Krakau.
In ihrem Vortrag gab die Referentin einen Überblick über die
politische und gesellschaftliche Neugestaltung der von
Österreich im Rahmen der Ersten Teilung Polens 1772
annektierten Gebiete Südostpolens durch die
deutschösterreichischen Beamten. Neben den von der Wiener
Regierung entsandten Beamten siedelte sich seit dem Jahre 1774
aufgrund verschiedener Ansiedlungspatente auch eine größere
Anzahl deutscher Kolonisten, hauptsächlich Bauern und
Handwerker, aus dem Südwesten Deutschlands in Galizien an.
Evangelische Kaufleute, Handwerker und Unternehmer erhielten
1774 zunächst nur eine auf vier galizische Städte beschränkte
Ansiedlungserlaubnis, diese wurde im Jahre 1781 dann auf ganz
Galizien ausgeweitet. Seit dieser Zeit gelangte auch eine
große Anzahl evangelischer Kolonisten, darunter einige wenige
mennonitische Familien, nach Galizien. Gewonnen wurde diese
Gruppe von Ansiedlern durch besondere Privilegien, die jedoch
nur in den ersten Jahrzehnten galten. Im Verlauf des 19. Jhdts.
kam es in den Jahren 1830/31, 1846, 1848 und 1863 zu wichtigen
historischen Zäsuren in Galizien. Die daraus für die
deutschösterreichische Bevölkerung resultierenden
Veränderungen im gesellschaftlichen Leben wurden vorgestellt.
Darüber hinaus wurde auch der Machtverlust der
Deutschösterreicher - bedingt durch die Einführung autonomer
Strukturen seit dem Ende der sechziger Jahre in Galizien -
erörtert. Die Konsequenzen des Machtverlustes der
Deutschösterreicher, die aufgrund ihrer privilegierten
Stellung als Beamte eine „staatstragende“ Rolle innehatten,
sowie die damit einhergehenden politischen Veränderungen
hatten u.a. auch die zunehmende Assimilation der
deutschen Bevölkerung vornehmlich an die polnische
Gesellschaft zur Folge. Neben der kompakten Darstellung der
politischen Entwicklung in Galizien brachte die
Referentin ihrem Publikum das Leben der
Deutschösterreicher auch anhand zahlreicher bekannter
Persönlichkeiten sowie anhand historischer Stadtansichten -
hauptsächlich der Stadt Lemberg - nahe. So zeigte sie etwa
Porträts des österreichischen Dichter Leopold Sacher-Masochs
sowie dessen Vater, der in Lemberg Polizeidirektor war,
weiters das Gymnasium in Brody, an dem Joseph Roth im Jahre
1913 maturierte.
Nach der höchst anschaulichen und vielfältigen Reise durch das
Galizien vergangener Jahrhunderte lud Prof.
Dyba¶
noch
zu einer Diskussion ein, in deren Verlauf manche interessante
Details zum umfangreichen Thema hinzugefügt wurde bzw.
ergänzende Fragen gestellt wurden.






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