STACJA NAUKOWA POLSKIEJ AKADEMII NAUK w WIEDNIU

Wissenschaftliches Zentrum der PAW in Wien

 

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Vortrag von Prof. Henryk Olszewski:
Die Goldene Freiheit der Polen und die Auseinandersetzungen über ihr Erbe
im 19. und 20. Jhdt.

Zum zweiten Vortrag im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften im Jahr 2008 begrüßte Prof. Bogus³aw Dyba¶ die zahlreich erschienenen Gäste sehr herzlich und stellte den Referenten des Abends, Prof. Henryk Olszweski vor. Dieser war bis zu seiner Emeritierung Institutsvorstand sowie Professor am Institut für Geschichte der rechtspolitischen Ideen und Philosophie an der Fakultät für Recht und Verwaltung der Adam Mickiewicz-Universität in Poznañ und war gleichzeitig auch der Gründer dieses Lehrstuhls. Im  Ruhestand lehrt er weiterhin an privaten Hochschulen in Warschau und Poznañ.  In den Jahren 1968 - 1972 war er Prodekan, in den Jahren 1975 - 1978 Dekan an der Fakultät für Recht und Verwaltung an der Adam Mickiewicz Universität in Poznañ. Seit 2007 wirkliches Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Er ist  Verfasser von ca. 600 Publikationen, darunter - es folgt lediglich eine kleine Auswahl die folgenden Werke:

- Doktryny prawno-ustrojowe czasów saskich; 1961
  (Die Rechts- und Verfassungsdoktrin z.Zeit der Sachsen),
Sejm - 
- Rzeczypospolitej epoki oligarchii 1652-1763; 1966
  (Der polnische Sejm z. Z. der Oligarchie i.d.J. 1652-1763)
- Nauka historii w upadku; 1982
  (Die Geschichtswissenschaft im Niedergang)
- Zwischen Begeisterung und Widerstand. Deutsche Hochschullehrer
  und der Nationalsozialismus; 1990
- S³ownik twórców idei; 1998
  (Wörterbuch der Schöpfer großer Ideen)
- Sejm w dawnej Rzeczypospolitej. Ustrój i idee; 2002
  (Der Sejm im Polen von einst. Aufbau und Idee)

In seinem Vortrag gab der Referent einen Überblick über die Geschichte Polens vor dem Hintergrund der Bedeutung des Adels für die politische und gesellschaftliche Entwicklung des Landes. Er charakterisierte den Begriff "Goldene Freiheit" (Polnisch Z³ota Wolno¶æ, Latein Aurea Libertas) ein Begriff aus der Zeit der polnisch-litauischen Adelsrepublik, der sich auf ein in Europa einzigartiges aristokratisch-politisches System im Königreich Polen und später, nach der Union von Lublin 1569, in der Adelsrepublik bezieht. Dieses System sicherte jedem Adeligen, in Polen Szlachcic genannt, außerordentliche Rechte und Privilegien zu. Jeder Adelige war de jure einem anderen, auch dem Magnaten, ebenbürtig (Ebenbürtigkeitsprinzip). Die polnisch-litauische Szlachta kontrollierte die Legislative, das polnische Parlament, den Sejm und hatte ein Mitspracherecht bei der Wahl der polnisch-litauischen Wahlkönige. Zu den Rechten und Privilegien zählten unter anderem die persönliche Immunität, die Steuerfreiheit , die Mitsprache des Sejms beim Erlass neuer Gesetze, das Liberum Veto, die Wahlfreiheit (Königswahl) sowie das Widerstandsrecht gegen den König. Die Goldene Freiheit unterschied Polen von anderen Ländern in Europa und war eine einzigartige Ausnahme in einem vor allem seit dem späten 17. Jahrhundert durch Absolutismus geprägten europäischen Kontinent, die jedoch in Polen-Litauen nur auf die Szlachta begrenzt war. Die sukzessive Nutzung der Goldenen Freiheit durch den Adel resultierte in der Schwächung der Königsgewalt (der polnische Adel untergrub durch seine häufige Opposition gegen den König dessen Autorität), so dass die mächtiger werdenden Nachbarn die Möglichkeit sich zunehmend in das politische System Polen-Litauens einmischten, was letztendlich - durch Verhinderung von Reformen zum Untergang Polens führte. Nach dem Vortrag kam es noch zu einer kurzen, aber umso regeren Diskussion.






 

 
 

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