|
Aktuelles
Team
Kontakt
Lage
Geschichte
Aufgaben
Veranstaltungen
Publikationen
Bibliothek
Wissenschaftliche
Kooperation
Förderpreise
Stipendien
Links
Datenbank:
Polonika in
österreichischen Archiven
|
Konferenz:
Polnische Kreise in der Hauptstadt
der Habsburgermonarchie
an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert
18. – 19. November 2010
Ziel der Konferenz „Das Polnische Wien zur Zeit
des Fin de siècle. Polnische Kreise in der Hauptstadt der
Habsburgermonarchie an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert“
war es, die Situation und Bedeutung der polnischen Kreise
sowie jene von Einzelpersonen im multiethnischen Wien an der
Wende vom 19. zum 20. Jhdt. darzustellen – eine glanzvolle
Epoche in der Geschichte der Stadt Wien, die bisweilen auch
als goldene Ära dieser Stadt bezeichnet wird Wiewohl sich zwar
die Habsburgermonarchie ihrem Ende zuneigte - ein Umstand, der
den Zeitgenossen durchaus schmerzlich bewusst war – war diese
Epoche von herausragenden künstlerischen Leistungen - von der
Literatur über die Musik bis hin zur bildenden Kunst und
Architektur geprägt – sowie von einem vielfältigen und
tiefgründigen philosophischen Denken.
Die einem Teilaspekt dieser Epoche gewidmete Konferenz legte
ihren besonderen Schwerpunkt auf die Bedeutung, die Polen in
dieser Epoche Wiens gespielt hatten. Im Verlauf der
zweitägigen Konferenz wurde dieses Thema aus ganz
unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Ein wichtiger
Schwerpunkt
galt der Teilnahme Polens am politischen Leben. Vorgestellt
wurden die politischen Lager der Zeit sowie besonders
herausragende und bekannte polnische Politiker - jene, die im
Parlament (Polenklub) sowie in den Regierungen (as polnische
Minister und Premierminister der österreichischen Regierungen)
eine besondere Rolle spielten. Im Einführungsvortrag stellte
Univ.-Prof. Dr. Lothar Höbelt den Polenklub und dessen Rolle
in der altösterreichischen Politik sowie dessen prominentesten
Persönlichkeiten vor. Breiter Raum war den polnischen
Abgeordneten im Wiener Parlament gewidmet: Dr. Franz Adlgasser
erstellte ein kollektives Porträt der polnischen Abgeordneten
im Wiener Parlament. Univ.-Prof. Dr. Jerzy Gaul konzentrierte
sich in seinem Vortrag auf die polnischen Sozialdemokraten in
der Zeit von 1892-1914. Die jüdischen Abgeordneten aus
Galizien
im österreichischen Abgeordnetenhaus waren das Thema des
Referats von Dr.
Günther Schefbeck, Direktor des Parlamentsarchiv in Wien.
Breiter Raum war aber auch dem kulturellen und künstlerischen
Wirken der Polen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
gewidmet. Zwei Vorträge waren Karol Graf Lanckoroñski, seiner
Familie und seinem Palais in der Jaquingasse, Wien 3, das eine
der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen in Wien
beherbergte. Nach schweren Bombentreffern im Zweiten Weltkrieg
wurde es nach dem Krieg demontiert. Eine bedeutende Rolle im intellektuellen
Leben der Stadt Wien spielte auch die Familie Twardowski, aus
der zahlreiche Universitätslehrer hervorgingen. Einer von
ihnen, Kazimierz Twardowski, studierte in Wien bei Franz
Brentano und Robert von Zimmermann Philosophie. Er gilt als
der Begründer der mathematisch, logisch und philosophisch
fruchtbaren Lemberg-Warschau-Schule. Im Jahr 1895 wurde Kazimierz Twardowski auf
den Lehrstuhl für Philosophie in Lemberg berufen, wo er bis zu
seinem Lebensende verblieb. Zu seinen Schülern gehörten u. a.
Stanis³aw Le¶niewski und Jan £ukasiewicz.
Polen waren
sowohl als Studenten als auch als Wissenschaftler im
universitären Umfeld von großer Bedeutung. Im
Rahmen der Konferenz wurden
auch informelle Kreise vorgestellt, die Plattformen für Meinungsaustausch waren und
in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Rolle für die in Wien
lebenden Polen darstellten. Auch zu Unrecht vergessene
Persönlichkeiten, die als Beispiel für viele andere gelten
mögen, wurden vorgestellt – etwa der Lebensweg der Ärztin Sara Lubinger, eine der ersten Polinnen, die an der Universität
Wien ein Medizinstudium beendete und sich hernach als Ärztin
besonders für die Verbesserung des Lebens der Frauen einsetzte.
|