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Vortrag von Dr. Adolf Juzwenko,
Direktor des "Ossolineum" in Breslau:
Wien, Lemberg, Breslau - 190 Jahre Ossolineum
Am 5.
November 2007 hielt Dr. Adolf Juzwenko, Direktor des
Ossolineums in Breslau im König Jan III Sobieski-Saal einen
Vortrag über die Geschichte dieser größten polnischen
Bibliothek. Der höchst interessante und informative Vortrag,
der gemeinsam mit der Österreichisch-Polnischen Gesellschaft
veranstaltet wurde, wurde von der polnischen Germanistin Prof.
El¿bieta Dzikowska, die an den Universitäten von
Wroc³aw
und
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tätig ist, in deutscher Sprache verlesen. Zu Beginn
seines Vortrags ging Prof. Juzwenko ausführlich auf die
Gründungsgeschichte der Bibliothek sowie die besonderen
historischen Umstände in Polen ein, die zur
Bibliotheksgründung geführt hatten. Die Anfänge der Bibliothek
reichen bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück und sind
untrennbar mit dem 1748 in Wola Mielecka geborenen Józef
Maksymilian Graf Ossoliñski verbunden. Dieser – so Dr.
Juzwenko – „fasste nach den Teilungen Polens, der Auslöschung
des Landes als selbstständige Nation den Beschluss, „eine
Institution aufzubauen, die die eigene Identität der
unterjochten Nation bewahren und ihr den Willen, sich von den
Fesseln zu befreien, einprägen sollte.“ Ossoliñski war ein
Intellektueller und darüber hinaus leidenschaftlicher Sammler
von Büchern und Kunstgegenständen. Das Vermögen der Familie,
deren Landgüter sich nach der ersten polnischen Teilung im
Jahr 1772 auf österreichischem Gebiet befanden, ermöglichte
ihm den systematischen Aufbau einer Kunst- und Büchersammlung,
die fortan in Form einer Stiftung – so der Wunsch Ossoliñskis
- als bibliothekarisch-museales Nationalinstitut dem
polnischen Volk zur Verfügung stehen sollte, um sie unentwegt
an ihr literarisch-kulturelles Erbe zu erinnern. Als
offizieller Beginn dieser Stiftung kann der 18. Oktober 1816
angesehen werden, an diesem Tag legte Ossoliñski der
kaiserlichen Kanzlei in Wien den „Familienbeschluss über die
Errichtung der öffentlichen Bibliothek unter der
Schirmherrschaft der Familie Ossoliñski in Lemberg“ vor.
Untrennbar mit dem Ossolineum ist auch die Familie der Fürsten
Lubomirski verbunden. In dem am 25. Dezember 1823 zwischen
Józef Maksymilian Graf Ossoliñski und Henryk Fürst Lubomirski
(1770 – 1850) unterzeichneten Vertrag wurde vereinbart, dass
der Fürst „seine Sammlungen, bestehend aus Büchern, Medaillen,
Gemälden und Antiquitäten (…) der genannten
Ossoliñski-Bibliothek übergibt“, was eine wertvolle
Bereicherung der Sammlung Ossoliñskis darstellte, die bis dato
hauptsächlich aus Büchern bestand. Nach dem Tod von Ossoliñski
im Jahr 1826 war gemäß den Stiftungsbestimmungen nun Henryk
Lubomirski der Leiter, zu seinen ersten Aufgaben die
Übersiedlung der Stiftung in fünfzig großen Kästen nach
Lemberg gehörte, wo Ossoliñski bereits 1817 ein ehemaliges
Karmelitinnenkloster als Stiftungssitz erworben hatte.
Die folgenden Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte spiegelten
die wechselvolle und oft leidvolle Geschichte Polens wider, so
galt es stets, gegenüber den Besatzern besondere Vorsicht
walten zu lassen, um die Tätigkeit des Ossolineums, die auch
in der Herausgabe konspirativer Drucke bestand, nicht zu
gefährden. Dennoch gelang es, die Bestände des Museums laufend
zu vergrößern, hauptsächlich auf Grund von Schenkungen. Erst
1918 „ging der Traum von sechs polnischen Generationen, die
seit den Teilungen ohne ihr souveränes Land lebten, in
Erfüllung (…) das Ossolineum leistete als nationales
Wissenschafts- und Kunstzentrum einen wesentlichen Beitrag
dafür“, so Juzwenko. Doch nur zwei Jahrzehnte später brachte
die Katastrophe des 2. Weltkriegs auch eine immense Gefährdung
des Ossolineums mit sich, das sich zunächst auf sowjetisch
okkupiertem Territorium, ab 1941 auf von den Nazis okkupiertem
Gebiet befand. Beide Besatzungsmächte haben das Ossolineum verstaatlicht und
wertvolle Teile der Sammlung geraubt, so etwa zahlreiche
Kupferstiche von Albrecht Dürer. Nach dem Krieg kam es auf
Grund eines polnisch-sowjetischen Vertrags zur Rückgabe der
Kulturgüter aus den von Polen verlorenen östlichen
Woiwodschaften. 35 % der Bibliotheksbestände sowie
vierundsiebzig Gemälde – das sind 5 % des Gesamtbestands –
wurden 1946 nach Breslau evakuiert. „Dieser so verkleinerte
Teil der Sammlungen“, so Juzwenko, „hatte dennoch riesige
Bedeutung für das polnische Geistesleben der Nachkriegszeit“.
Doch gelang es erst nach 1989, dem Breslauer Ossolineum den
Status einer Stiftung zu verleihen, wie es sein Gründer, Graf
Ossoliñski, einst vorgesehen hatte. Im Jänner 1995
verabschiedete der Sejm das Gesetz über das
Ossoliñski-Nationalinstitut, das zu einer öffentlichen
Stiftung erklärt wurde und neuerlich mit den zu Beginn des 19.
Jhdt. formulierten Aufgaben betraut wurde.
Nach der Darstellung der Geschichte des Ossolineums kam es zu
einer lebhaften Diskussion, die von
Prof. El¿bieta Dzikowska
übersetzt wurde. In deren Verlauf u.a. auch die
überaus bedeutsame Rolle von Dr. Adolf Juzwenko
herausgestrichen wurde, der als Direktor seit Jahrzehnten über
die Geschicke des Ossolineums waltet und sich dabei
unschätzbare Verdienste erworben hat.











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