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Vortrag und Buchpräsentation:
Dr. Joanna Giecewicz:
Konservative Avantgarde -
Wiener Wohnungspolitik 1920–2005
Dieser
Vortragsabend, der am 24. März 2009 im Wissenschaftlichen
Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften stattfand,
war dem Wiener Wohnbau,
der Wohnbaupolitik dieser Stadt resp. dem von dieser Jahrzehnten
erfolgreich geführten Modell des sozialen Wohnbaus gewidmet. Die
Warschauer Architektin und Lehrbeauftragte an der Technischen
Universität
Warschau, Dr. Joanna Giecewicz, die an der School of
Architecture and Planning am MIT ein Postgraduatestudium
absolvierte, stellte im Laufe ihres Vortrags die Ergebnisse
ihrer Recherchen, die sie im Zuge ihrer Habilitationsschrift
verfasste, vor. Diese wurden im Jahr 2008 auch unter dem Titel ""Konserwatywna
awangarda" im Verlag Oficyna Wydawnicza veröffentlicht. Die
Referentin stellte in ihrem Vortrag die Bedeutung des Wohnens
bzw. einer angemessenen Wohnumgebung voran und entwickelte
dann weiter die These, dass das Wohnwesen in Wien ein
wichtiges Instrument der Infrastruktur und
Gegenstand des Interventionismus der öffentlichen Behörden
ist. Diese Politik der Stadt Wien wird über 85 Jahre geführt, verbessert und an
die sich verändernden Bedürfnisse angepasst, wobei nach
Meinung der Referentin die
sozialdemokratische Politik, die das ordnungsgemäße Funktionieren und die
Entwicklung des städtischen Organismus garantieren, die
Wahlgewinner in der konservativen „Metropole der Mieter”
sind.
Im Kontext mit den kritischen Stimmen über das letzte halbe
Jahrhundert der Stadtentwicklung, die mit der intensiven
Erweiterung der Vorstädte, Problemen mit dem öffentlichen
Verkehr und Sicherheit sowie räumlicher Segregation
einhergeht, zeigt sich, dass das konservative Wien gemäß den
Grundsätzen der Rückkehr zur „Zivilisation“ einer
authentischen Stadt funktioniert.
Im zweiten Teil ihres Vortrags präsentierte die Referentin
ihre zahlreichen Photoimpressionen von ihren Streifzügen durch
Wien bzw. die Wiener Gemeindebauten. Ein repräsentativer
Querschnitt von den Zwanzigerjahren bis heute wurde, von Musik
untermalt, gezeigt. Giecewicz zeigte dabei einerseits
architektonisch hochwertige Details, die insbesondere viele
Gemeindebauten der Zwischenkriegszeit auszeichnet, als auch
die architektonische Vielfalt der Gesamtensembles.
Der Abend wurde traditionell von einem Konzert umrahmt - die
jungen polnischen Musiker Anna Gutowska (Klavier), Jacek
Stolarczyk und Krzysztof Kokoszewski spielten u.a. Werke von
Antonio Vivaldi, Johann Sebstian Bach, Pablo Sarasata und
Carlos Gardel.
Seinen Ausklang fand der Abend im Rittersaal, wo die
Diskussionen in kleinem Rahmen weitergeführt wurden.




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