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Sitzung des
Klubs
der
Professoren
-
Projektpräsentation
in polnischer Sprache:
Autonomia jednostki w Europie XVIII – XX wiek
Am
12.
März
2009
fand im Nikolaus Kopernikus-Saal des Wissenschaftlichen
Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften eine
öffentlich zugänglich Sitzung des Klubs der Professoren statt,
anlässlich derer das Projekt "Autonomie
der Einheit im Europa des 18. und 19. Jhdts." vorgestellt
wurde. An diesem Projekt sind herausragende polnische
Wissenschaftler beteiligt. Wissenschaftlicher Leiter des Projekts ist Prof. dr hab. W³odzimierz
Mêdrzecki,
Vizedirektor
des Instituts für Geschichte der Polnischen Akademie der
Wissenschaften in Warschau sowie Vorstand des Arbeitskreises
zur Erforschung der gesellschaftlichen Transformationsprozesse
Polens im
XIX.
und
XX.
Jhdt. am Institut für Geschichte der Polnischen Akademie
der Wissenschaften, er ist weiters mit dem Institut für
Ethnologie und Kulturanthropologie der Universität Warschau
verbunden.
An
diesem Projekt nehmen folgende mit dem Institut für
Geschichte der PAW verbundenen Projektmitglieder teil: Prof. Maciej Janowski,
Prof.
Wojciech Kriegsesen,
Prof. Tomasz Kizwalter,
Prof.
Dariusz Ko³odziejczyk
sowie
Mag. Natalia Królikowska.
Die
Projektpräsentation
fand in polnischer Sprache statt. Ehrengast der Veranstaltung
war Seine Exzellenz Dr.
Jerzy Margañski,
Botschafter der Republik Polen in Wien.
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte der
Direktor
des Wissenschaftlichen Zentrums in Wien, Prof.
dr hab. Bogus³aw Dyba¶,
die Gäste und betonte die besondere Bedeutung des
Projekts sowie dessen interdisziplinären Charakter.
Im Namen des
Klubs
der
Professoren
ergriff anschließend dessen Vorsitzende, Prof.
El¿bieta Wiedner-Zaj±c,
das Wort,
die die in dieses Projekt eingebundenen Wissenschaftler
vorstellte.
Im weiteren Verlauf des Treffens stellten die Forscher ihre
jeweiligen projektbezogenen Forschungsthemen vor. Der Leiter des Projekts,
Prof.
Dr
hab. W³odzimierz Mêdrzecki,
stellte
zunächst die Entstehungsgeschichte des Projekts vor.
Die Idee entstand anlässlich des XVII. Allgemeinen
Historikertreffers
in
Olsztyn
im September
2009,
als
dessen Hauptpostulat wurde die Forderung zu einer Rückkehr zu den historischen Quellen
erhoben, die zum einen als Grundlage für die Arbeit des
Historikers betrachtet werden und zum anderen als Quellen, auf
die Polen und Europa gegründet sind. Gleichzeitig wies
Prof. Mêdrzecki,
der ein Panel zum Thema der Autonomie der Einheit
organisierte, darauf hin,
dass die Forschungsresultate auf einer Tagung von Historikern
vorgestellt werden, an der sowohl Wissenschaftler als auch
Lehrer teilnehmen. Der Zugang zum Thema geht dabei
ausdrücklich von der Perspektive des Historikers aus, nicht
von jener von Philosophen oder Soziologen.
Es geht auch keineswegs darum, wie Prof.
Mêdrzecki feststellte,
die Autonomie der Einheit als globales Phänomen vorzustellen.
Im Anschluss an die allgemeine Projektvorstellung stellte nun
jeder der an dem Projekt teilnehmenden Forscher sein
Forschungsthema vor. Von wesentlicher Bedeutung war auch die
Vorstellung des Kontexts, in dem jeder Wissenschaftler seine
Interpretation des Begriffs Autonomie analysierte.
Auch Prof. Wojciech Kriegsesen
referierte über die vorindustrielle Epoche, das 17. und 18.
Jhdt. ist durch eine Zunahme der Bedeutung des Individuums
gekennzeichnet. So war etwa zu dieser Zeit der Niederländer
Julius Lipsius ein autonomes Individuum, auf den man sich im
Zusammenhang mit mehrmaligen Religionswechsel des öfteren bezieht.
Lipsius
entstammte ursprünglich katholischem Milieu, später wurde er
zum Professor ernannt und war an der evangelischem Universität
beschäftigt, er wurde zum reformierten Lutheraner, schlussendlich
arbeitete er an der katholischen Universität in
Lovanium (Leuven).
Sein Werk wurde zum Bezugspunkt für Philosophen, seine
Religionswechsel hatten auf die Wahrnehmung seiner Person
keinerlei Einfluss, er erfreut sich großer Wertschätzung und
Autorität.
Prof. Tomasz Kizwalter
wiederum beschäftigt sich mit dem 19. Jhdt.
Schlüsselbegriff für den Historiker ist dabei der Begriff "mot³och"
("Gesindel, Pack"),
dessen Genese bis in die Epoche der römischen Historiker
zurückzuführen ist. Nach dem Verständnis der Soziologie werden
mit diesem Begriff "Menschen" bezeichnet, die nicht in
gesellschaftliche Strukturen eingebunden sind und sich auch
solchen nicht verpflichtet fühlen.
Sie stellen sich gegen die jeweiligen Machthabenden und
streben selbst nach der Macht. Nach Ansicht von Prof. Kizwalter
sind diese Menschen
nicht
menschlich im eigentlichen Sinn,
da sie von Emotionen gesteuert werden. Im 19. Jhdt. fand
dessen Transformation zum "rodak"
("Bürger")
statt.
Der nächste Forscher, der sein Bild von der Einheit der
Autonomie des Individuums vorstellte, war Prof.
Maciej Janowski.
Er
zeigte, das in der Zeit nach den polnischen Teilungen die
polnische Kultur nur gering von individualistischen Strömungen
geprägt war. Hauptursachen waren die Nationalitätenfrage, die
einen Prozess der Entindividualisierung mit sich brachte,
sowie die Modernisierung,
die im 19. Jhdt. von den Herrschenden ausging.
Dabei gab es für Individualismus keinen Raum.
Prof. Janowski
unterstrich, dass es
keine Ideologie des Individualismus gibt und dass im Rahmen
des Projekts jene
Menschen erfasst werden sollen,
die in einer solchen Situation Autonomie und Individualismus entwickelten.
Prof. Dariusz Ko³odziejczyk
befasste sich im Rahmen seiner Forschung mit dem Phänomen der
Autonomie des Individuums vor dem Hintergrund der islamischen
Kultur. Er stellte vor einem ausdrücklich nicht
europanzentristischen Hintergrund die entsprechende Stereotype
in der wissenschaftlichen Literatur vor.
Profesor Ko³odziejczyk
wies auf die umfangreichen arabischen Quellen hin, u.a. die
Tagebücher des Architekten Sinan aus dem 16. Jhdt.,
die ein Beispiel für die Autonomie des Individuums sind und
mit jener von Micha³
Anio³
vergleichbar sind.
Anschließend brachte Mag.
Natalia Królikowska
den Zuhörern die autonome Gesellschaft der Krimtataren im 20.
Jhdt. nahe, insbesondere die Zäsur des Zweiten Weltkriegs. Frau
Mag.
Królikowska
wies ausdrücklich
auf die Modernität
dieses Volkes hinsichtlich der Bedeutung des Individuums
auf der Grundlage der Verfassung („kurultaj”)
vom
Dezember
1917
hin.
Im Text dieses Dokuments
wurde die allgemeine Gleichheit von Frauen und Männern
verkündet, die Rechte von Minderheiten, Recht auf Schutz des
Lebens sowie Toleranz. Dort wurden sie von den Usbeken
äußerst feindselig aufgenommen und isolierten sich ganz in
ihrer Gesellschaft, in gewisser Weise verzichteten sie auf die
Autonomie - zugunsten der Gemeinschaft, also des Volkes.
Profesor Mêdrzecki
bezog sich auf die Autonomie der Einheit im 20. Jhdt. Er wies
auf die beiden grundlegenden damit verbundenen Entwicklungen hin,
zum einen auf die Umgestaltung der Gesellschaft im Zuge der
industriellen Revolution und die Ablösung des bis dahin
geltenden Gesellschaftssystems, zum anderen auf den
Umgestaltungsprozess in der postindustriellen Gesellschaft.
Profesor Mêdrzecki
bezeichnete diesen Prozess als den eigentlichen Umbruch, als
deren Ergebnis die Gesellschaft eine Gesellschaft der
Individuen wurde. Schlussfolgerung des außergewöhnlich
beeindruckenden Projekts
war die Erkenntnis, dass die Autonomie des Individuums sowohl
in Europa als auch außerhalb Europas entstehen kann,
wobei der Begriff der Autonomie nicht eindeutig definierbar
ist.
Nach der Präsentation stellten die Gäste eine Reihe von
Fragen. Das Projektthema
lud zu
einer interessanten und lebhaften Diskussion ein, unter
anderem wurde darauf hingewiesen, dass der Begriff der
Autonomie des Individuums ein relativer ist
sowie
der Umstand, dass Autonomie auch sehr elitär verstanden werden kann
(als
Beispiel wurden hier Akademikerkreise angeführt).
Gleichzeitig wurde unterstrichen, dass die Überlegungen auch
philosophische Fragen implizieren. Ebenfalls untersuchenswert
in diesem Kontext ist die Rechtsgeschichte.



Photos: Mag. Emilia Tomecka
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