Karol Lanckoroński und seine Zeit

Konferenz
(Programm im Format pdf)

Vom 9. bis 10. Dezember 2013 fand im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien die internationale Konferenz "Karl Lanckoroński und seine Zeit / Karl Lanckoroński i jego czas" statt, die im Rahmen des von 2012 bis 2015 durchgeführten Forschungsprojekts "Karl Lanckoroński und sein handschriftlicher Nachlass in den Sammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek" veranstaltet wurde. Dieses Forschungsprojekt wird vom Nationalen Programm zur Förderung der Geisteswissenschaften des Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen der Republik Polen gefördert.

Die Konferenz wurde von Prof. Bogusław Dybaś, dem Direktor des Zentrums sowie Projektleiter, eröffnet. Er umriss in seinen Eröffnungsworten die umfangreiche Forschungsthematik rund um Lanckoroński, die aus dessen vielfältigen Interessen resultiert. Weiters skizzierte er die Leitlinien des Projekts und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Konferenz zum Informationsaustausch sowie zur Zusammenarbeit zwischen polnischen, österreichischen und deutschen Forschern, die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen angehören, beitragen wird.
Einführende Worte wurden auch von Elżbieta Orman (Polnische Akademie der Wissenschaften und Künste, Krakau) gesprochen. Sie sprach über die Bedeutung von Kunst, Kultur und Wissenschaft, der "Göttin, der Lanckoronski sein Leben geweiht hatte". Sie wies auf dessen Offenheit sowie Lanckorońskis Interesse an verschiedenen Kulturen hin, die die Grundlage für seine Wertschätzung für Toleranz und Dialog war. Sie erinnerte auch an Karolina Lanckorońska, die Tochter von Karl Lanckoroński, die die Werte ihres Vaters hochhielt und an die folgenden Generationen weitergegeben hatte.

Anschließend sprach Katrin Jilek (Sammlung von Handschriften und alten Drucke der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien). Sie stellte den handschriftlichen Nachlass von Lanckoroński in der Österreichischen Nationalbibliothek vor. Teile dieses Nachlasses wurden der Nationalbibliothek geschenkt, andere wurden durch Ankäufe erworben. Sie erläuterte die unterschiedlichen Kategorien der in diesem Nachlass vertretenen Handschriften, zu denen Lanckorońskis Werke, seine Korrespondenz sowie persönliche Dokumente gehören und zeigte die zugehörigen Einträge im Katalog der Sammlung HANNA, der auch online zugänglich ist.

In der ersten Session wurden die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten von Karl Lanckoroński vorgestellt. Alexander Szymanowicz-Hren (Wien) referierte über die Bedeutung von Lanckoroński als Initiator des Denkmals für den Wiener Maler Moritz von Schwind. Karl Lanckoroński war Vorsitzender des Komitees, das sich für die Errichtung dieses Denkmals einsetzte. Ausführlich ging sie auch auf die finanzielle Beteiligung verschiedener Institutionen (Ministerien, Stadtverwaltung, Stadtentwicklungsfonds) an der Errichtung des Denkmals ein. Auch wies sie auf die persönlichen und politischen Motive Lanckorońskis hin, die zu seinem Engagement an diesem Projekt beigetragen hatten.
Lukas Cladders (Heidelberg) erläuterte in seinem Vortrag die Bedeutung von Lanckoroński bei der Ausfuhr von Kulturgütern nach dem Ersten Weltkrieg. Sowohl die Frage der Reparationsvereinbarungen als auch die Unterstützung Lanckorońskis für das Institut für Kunstgeschichte in Florenz wurden ausführlich erörtert, wobei der Referent besonders auf das Engagement und die Aktivitäten des Grafen trotz dessen fehlender institutioneller Zugehörigkeit einging.
In der darauffolgenden Session, die dem Sammelwesen gewidmet war, stellte Ewa Manikowska (Warschau) die Bedeutung und Funktion aristokratischer Gemäldesammlungen in Galizien vor. Sie betonte die Bedeutung der Werke Alter Meister bei der Entstehung der nationalen Identität im späten neunzehnten Jahrhundert. Das Interesse der internationalen wissenschaftlichen Literatur an den im Referat vorgestellten Kunstsammlungen (Czartoryski, Potocki) trug dazu bei, das Image Polens anzuheben sowie das Interesse der Forscher auf die Kunst- und Kulturdenkmäler in den polnischen Gebieten zu richten.
Im darauffolgenden Referat stellte Prof. Jerzy Miziołek (Warschau) die Truhenmalereisammlung von Karl Lanckoroński vor. Er analysierte diese vor dem Hintergrund des Beitrags von Lanckoroński "Einiges über italienische bemalte Truhen". In diesem Beitrag kommt das fundierte Wissen Lanckoronskis über die Antike deutlich zum Ausdruck. Der Referent unterstrich auch die Bedeutung und Prägnanz dieses Textes. In der Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, inwieweit Karl Lanckoroński als Kunsthistoriker bezeichnet werden kann, zumal er über kein Universitätsstudium dieser Fachrichtung verfügte. Prof. Miziołek wies auf die hohe Professionalität der wissenschaftlichen Arbeit Lanckorońskis hin. Joanna Wolska Winiewicz hielt dem entgegen, dass das hohe Niveau und die Professionalität von Lanckoroński vermutlich auf dessen Kooperation mit einem großen Kreis von Beratern zurückzuführen ist.

Der zweite Konferenztag wurde mit dem Referat von Joanna Wolska-Winiewicz (Kraków) eröffnet, die Lanckorońskis denkmalpflegerisches Wirken erörterte. Sie stellte Lanckorońskis diesbezügliche Ansichten sowie das nicht immer positive Echo darauf vor. Betont wurden auch seine Bemühungen, seine Aktivitäten zu popularisieren, wofür als wichtigste Beispiele das Projekt der Restaurierung des Königlichen Schlosses Wawel, das Riesentor des Stephansdoms und die Karlsplatzverbauung  zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zu nennen sind.
Auch der Vortrag von Barbara Ochendowska-Grzelak (Szczecin) war dem Denkmalschutz gewidmet. Die Ansichten Lanckorońskis wurden den Ansichten seines Zeitgenossen, des preußischen Konservators Hans Lutsch, gegenübergestellt. Dabei wurden zahlreiche Parallelen aufgezeigt, vor allem hinsichtlich der von ihnen vertretenen Einstellung zum Denkmalschutz. Die Referentin kam zum Schluss, dass der Unterschied zwischen den Ansätzen von Lanckoroński und Lutsch darin läge, dass ersterer eher den Denkmalschutzgedanken propagierte, während zweiterer über praktische Erfahrungen verfügt hätte. In der Diskussion wurde u.a. auf die innovative Kraft sowie die Aktualität der Ansichten von Lanckoroński und Lutsch hingewiesen.

Mit dem Vortrag von Professor Hubert Szemethy (Wien) wurde eine weitere Session der Konferenz eröffnet, in deren Mittelpunkt die archäologischen Aktivitäten Lanckorońskis standen. Er stellte dessen Verdienste bei der Organisation und Finanzierung von Forschungsreisen nach Kleinasien vor, analysierte ausführlich die Anfänge und Folgen dieser Expeditionen und schilderte deren Ablauf. Einer der Höhepunkte seines Vortrags war ein Tondokument aus dem Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, in der Karl Lanckoroński zu den damaligen neuen technischen Möglichkeiten Stellung bezog.
Professor Joachim Śliwa (Kraków) referierte in seinem Vortrag über zwei Terrakotta-Figuren aus Aspendos, die sich im Besitz der Jagiellonen-Universität befinden. Er stellte deren Erstbesitzer, Hw. Stefan Dembinski, vor und erörterte die Teilnahme von Lanckoroński Freunds Jacek Malczewski an der Expedition nach Kleinasien. Er wies auch auf die antiken Skulpturen von Lanckoroński in dessen einstigem Palast in Rozdól (heute Ukraine) hin, die sich heute in Lemberg befinden.
In der Diskussion kam auch die Frage nach der "Wissenschaftlickeit" von Lanckoroński zur Sprache. Auch seine Bedeutung als Mäzen wissenschaftlicher Institutionen wurde diskutiert, wobei auf die von ihm in Auftrag gegebenen Abgüsse antiker Skulpturen Bezug genommen wurde. Unterstrichen wurde weiters, dass er die Schaffung neuer wissenschaftlicher Institutionen tatkräftig unterstützte, beispielsweise das Institut für Kunstgeschichte an der Jagiellonen-Universität, was die Voraussetzung für dessen Gründung war .
Die letzte umfangreichste Session der Konferenz war der Fotografie gewidmet. Als erster Referent stellte Prof. Piotr Śalwa (Rom), Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Rom, die Geschichte der Fotothek von Karol Lanckoroński von deren Übergabe nach Rom bis heute vor. Darüber hinaus sprach er auch Pläne zur Digitalisierung der Sammlung sowie der Eingliederung jener Aufnahmen, die sich in Rom befinden, in die Sammlungen der sich in Krakau befindlichen Fotothek an. Für das Jahr 2014 ist eine Ausstellung geplant, in deren Rahmen ausgewählte Fotos der Sammlung gezeigt werden. 
Ein weiterer Referent war Adam Korczyński (Krakau), Kurator der Fotothek Lanckoroński der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Krakau. Er zeigte einige Fotoaufnahmen einer Reise nach Ceylon, die in der Fotothek aufbewahrt werden. Einige dieser Aufnahmen hat Karl Lanckoroński selbst aufgenommen, die Mehrheit der gezeigten Fotos wurden jedoch während der Reise gekauft.

Monika Faber (Photoinstitut Bonartes Wien) stellte in ihrem Vortrag die Reise Lanckorońskis nach Kairo im Jahr 1875 sowie dessen enges Verhältnis zu den mitreisenden Malern vor. Vor dem Hintergrund von Bildern und Berichten der weiteren Reiseteilnehmer rekonstruierte sie den Reiseverlauf. Auch die sorgfältigen Arrangements für die Photoaufnahmen waren ein wichtiger Bestandteil der Reise. In der Diskussion wies Danuta Jackiewicz auf Parallelen zu Arrangements auf Photoaufnahmen der Warschauer Bohème dieser Zeit hin.
Aufnahmen aus dem privaten Leben von Karl Lanckoroński waren das Thema des Vortrags von Danuta Jackiewicz (Nationalmuseum Warschau). Sie zeigte Fotos aus dem Vermächtnis von Leon de Vaux, die das Familienleben und Interieurs seiner Wohnsitze zeigen, sowie die Orientausstellung im Österreichischen Handelsmuseum im Jahre 1889. Die Vortragende lud auch dazu ein, die im Referat vorgestellten Quellen für weitere Forschungen zu nutzen.

Auch die letzte Session war musealen Sammlungen gewidmet. Susanne Winkler (Wien Museum) stellte die Aktivitäten des Fotografen August Stauda vor, der im Auftrag von Karl Lanckoroński vom Abriss bedrohte Häuser und Ensembles Wien fotografierte. In ihrem Vortrag unterstrich sie die Bedeutung von Fotoaufnahmen für die Entstehung des Mythos von Alt Wien hin und analysierte die Architektur Wiens, insbesondere jene der Barockzeit, sowie dessen zentrale Bedeutung für das österreichische Geschichtsbewusstsein.
In der Diskussion ergriffen u.a. Prof. Joachim Śliwa das Wort, der das Referat von Monika Faber durch einige interessante Details ergänzte, sowie der Direktor des Haus- , Hof- und Staatsarchivs Thomas Just, der - in Anknüpfung an den Vortrag von Danuta Jackiewicz - darauf hinwies, dass im Österreichischen Staatsarchiv auch ein Teil des Vermächtnisses der Familie de Vaux aufbewahrt wird.
Die Ergebnisse der Tagung werden in einem im Jahr 2014 erscheinenden Tagungsband (in polnischer und deutscher Sprache) veröffentlicht.

 Aleksandra Szymanowicz-Hren

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