Dr. Bernadetta Darska

Am 30. Jänner 2012 hielt die Literaturkritikerin und Literaturwissenschaftlerin Bernardetta Darska an der Polnischen Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum in Wien einen Vortrag in polnischer Sprache zum Thema "Zanik centrali czy powrót centrali? Czasopiśmiennictwo kulturalne w Polsce po 1989 roku". In ihrem Vortrag stellte die Referentin das breite Spektrum der in Polen in der letzten Dekade des 20. Jhdt. sowie in der ersten Dekade des 21. Jhdt. erschienenen Kulturzeitschriften vor. Als Redakteurin von Literatur- und Kulturzeitschriften sowie als Chefredakteurin der Zeitschrift "Portret" verfügt die Referentin selbst über umfangreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet. Sie unterstrich, dass das Jahr 1989 auch für die Literatur eine Wende bedeutete. Zu dieser Zeit entstand der Begriff, „Verlust der Zentrale”. Dieser Terminus, der auf Janusz Sławiński zurückgeht, bezog sich zunächst auf die Poesie und wurde später auf die Beschreibung des literarischen Lebens in seiner Gesamtheit nach 1989 übertragen. Folge dieses Phänomens war die Entstehung zahlreicher neuer Zeitschriften in kleineren Zentren sowie der Bedeutungsrückgang der bislang führenden Rolle von Warschau und Krakau. Zu dieser Zeit standen jungen Autoren, die in den Siebzigerjahren geboren wurden, erstmals umfangreiche mediale Möglichkeiten zur Verfügung. Deren literarisches Debüt fand vorwiegend in Literaturzeitschriften statt. Jedoch wurde bereits in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre von einer „Rückkehr des Zentrums” gesprochen. Im Buch von Kinga Dunin "Karoca z dyni" [Die Kürbiskutsche] (2001) finden wir eine interessante Metapher vom Prinzen Dy-Do, der im medialen Diskurs  entscheidet sowie auch darüber, welches Aschenputtel in den (Literatur)-Palast gelangt.
Die Referentin präsentierte in ihrem Vortrag das Spektrum polnischer Kultur-, Theater und Filmzeitschriften sowie feministischer Zeitschriften wie „FA-art.”, „Ha!art”, „Opcje”, „Czas Kultury”, „Pogranicza”, „Lampa”, Didaskalia”, „Zadra”, ”EKRANy”. Sie betonte, dass es sich dabei um Nischenprodukte handelt, die in kleinen Auflagen erscheinen und nicht gewinnorientiert sind. Ihr Anliegen ist der Diskurs über Literatur und Kunst, nicht die Werbung. Die Referentin betonte weiters den spezifischen und privilegierten Status von Zeitschriften, die regelmäßig vom Staat unterstützt werden, beispielsweise „Nowe Książki”, „Twórczość” und „Dialog” und lenkte  die Aufmerksamkeit auf jene Zeitschriften, die  mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen und in ihrer Existenz  bedroht sind.  Viele Zeitschriften haben aus diesem Grund bereits ihr Erscheinen eingestellt, bisweilen ist auch ihr regelmäßiges Erscheinen gefährdet. Neben diesen erscheinen jedoch auch Literaturbeilagen zu in hoher Auflage erscheinenden Zeitschriften und Zeitungen wie beispielsweise „Magazyn o Książkach. Książki w Tygodniku” – eine Beilage der Wochenzeitschrift „Tygodnik Powszechny” oder „Książki. Magazyn do czytania” – eine Vierteljahresschrift der „Gazeta Wyborcza”.
Ein interessantes Phänomen stellen auch Initiativen begabter Amateure dar. In diesem Falle schaffen die Leser selbst ihre eigene Zeitschrift  („Literadar” – środowisko biblionetkowiczów, „Archipelag. Niezależny magazyn bukinistyczny”). An dieser Stelle erinnerte die Referentin an die Notwendigkeit eines Bündnisses zwischen Lesern und Literaturkritikern, die sich nicht von der Massenkultur absondern sollten.
Die Referentin betonte auch, dass die Nichtverfügbarkeit dieser Zeitschriften auf dem Buchmarkt in vielen kleinen Zentren sowie deren wenig systematische und nicht ausreichende Subventionierung ein ernstes Problem darstellt.
In ihrem Resümee hielt die Referentin u.a. fest, dass der Mensch einer nicht gewinnorientierten Kultur bedarf und diese selbst wiederum der Förderung bedarf. Eben in Kulturzeitschriften haben Kunstschaffende und Autoren, die zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn stehen, die Möglichkeit ihres Debüts.

Anna Głowacka

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