A.o.Univ.-Prof. Dr. Józefa Gądek-Węsierski

Am 29. Februar 2012 fand an der Polnischen Akademie der Wissenschaften – Wissenschaftliches Zentrum in Wien ein Vortrag von Prof. Józefa Gądek-Węsierski statt, die zum Thema Ludwik Hirszfeld, ein engagierter Mediziner und scharfsinniger Forscher referierte. Professor Józefa Gądek-Węsierski ist Biologin und ausländisches Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften (V. Klasse: Medizinische Wissenschaften). Sie ist an der Universität Wien beschäftigt und stellvertretende Vorsitzende des Klubs der Professoren der Polnischen Akademie der Wissenschaften – Wissenschaftliches Zentrum in Wien. Seit vielen Jahren forscht sie auf den Gebieten Hämatologie und Onkologie. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen und Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften.

Das zahlreich erschienene Publikum wurde von Univ-Prof. Elżbieta Wiedner-Zając, der Vorsitzenden des Klubs der Professen, begrüßt. Im daran anschließenden Vortrag stellte die Referentin die etwas in Vergessenheit geratene Persönlichkeit von Ludwik Hirszfeld sowie seine wissenschaftlichen Errungenschaften vor, die auf Grund ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Medizin erinnernswert sind. Ludwik Hirszfeld entstammt einer jüdischen Familie, er besuchte das Gymnasium in Łodz und studierte Medizin in Würzburg und Berlin. Bereits sehr früher entdeckte er die Leidenschaft für Wissenschaft und Forschung. Die Referentin schilderte die interessante Begebenheit über die Anfänge seiner Forschungen im Labor, die von der Bestimmung des jungen Wissenschaftlers für die Forschung zeugen. Um seine ersten Forschungen im Labor beginnen zu können und um Labor und Materialien zu bezahlen, verpfändete er seine Uhr und nutzte auch die Einkünfte seiner Gattin, ebenfalls Studentin der Medizin, die Nachhilfeunterricht gab. In seiner Dissertation befasste er sich mit Serologie, die ihn die nächsten Jahre hindurch weiter faszinieren sollte. Die Referentin betonte, dass seine größte Errungenschaft seine Forschungen über Blutgruppen war. Ludwik Hirszfeld gelang es, im Jahr 1910 die vier Hauptblutgruppen zu bestimmten. Die Entdeckung war für die Medizin von entscheidender Bedeutung und ermöglichte es, Bluttransfusionen durchzuführen, die bis zum bisherigen Zeitpunkt auf Grund von Unverträglichkeitsreaktionen oft den Tod des Patienten zur Folge hatte. Er entdeckte auch die Vererbungsregeln der Blutgruppen, was auch Vaterschaftstests bzw. den Ausschluss einer Vaterschaft ermöglichte. Weiters entdeckte er die Bedeutung des Rhesusfaktors als Ursache von Unverträglichkeitsreaktionen, eine Entdeckung, die vielen Neugeborenen das Leben rettete. Neben Serologie beschäftigte er sich auch mit Immunologie und Bakteriologie. Während des Ersten Weltkriegs half er unter Einsatz seines Lebens mit, die Typhusepidemie in Serbien zu bekämpfen. Bis zum Jahr 1920 lebte und forschte er im Ausland, u.a. in Heidelberg und Zürich. Nach der Wiedererstehung des unabhängigen polnischen Staates kehrte er nach Warschau zurück, er war aktiv an der Organisation des Staatlichen Hygieneinstituts sowie der Gründung der Polnischen Akademie der Wissenschaften beteiligt. Der Zweite Weltkrieg unterbrach seine Arbeit jäh. Im Jahr 1939 wurde er entlassen, 1941 musste er seine Wohnung verlassen, gemeinsam mit seiner Familie musste er in das Warschauer Ghetto übersiedeln, wo er freiwillig als Arzt arbeitete. Im Juli 1942 folgte er dem Rat eines Freundes und floh aus dem Ghetto, während des Kriegs lebte er unter falschen Namen weiter. In dieser Zeit schrieb er auch seine Autobiographie, die im Jahr 1946 erschien. Nach Kriegsende übersiedelte er nach Wrocław und begann an der Medizinischen Fakultät der Universität Wrocław zu arbeiten. Im Jahr 1952 gründete er in Wrocław das Institut für Immunologie und experimentelle Therapie der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Ludwik Hirszfeld war u.a. doctor honoris causa der Universitäten Zürich und Prag. Prof. Gądek-Węsierski betonte, dass er auch für den Nobelpreis nominiert wurde. Im Jahr 2011 erschien eine Neuauflage seiner Autobiographie unter dem Titel "Historia jednego życia".

Anna Głowacka

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