Konferenz

Am 22. März 2012 fand in der Polnischen Akademie der Wissenschaften – Wissenschaftliches Zentrum in Wien eine Konferenz statt, die dem herausragenden Mittel- und Osteuropahistoriker Walter Leitsch gewidmet war und gemeinsam mit dem Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien veranstaltet wurde.
Walter Leitsch, dessen Leben die turbulente Geschichte des 20. Jhdt. widerspiegelt, wurde 1926 in Wien geboren. Im Jahr 1938 musste Leitsch gemeinsam mit seiner Familie Österreich verlassen, die erste Station ihrer Flucht war Estland. Nach der Besetzung Estlands durch sowjetische Truppen wurde seine Familie neuerlich Opfer des stalinistischen Regimes. Sie wurde in den Kasachstan deportiert, wo Leitsch über fünf Jahre in verschiedenen Lagern inhaftiert war. Erst im Jahr 1947 konnte er nach Wien zurückkehren. Er studierte Slawistik und Geschichte an der Universität Wien und wurde 1965 zum Ordinarius am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien ernannt.

Hauptziel der Konferenz Walter Leitsch und die polnische Historiographie war es, die enge Zusammenarbeit des Gelehrten mit polnischen Historikern sowie seine Forschungen zur Geschichte Polens vorzustellen. Die Konferenz wurde von Univ.-Prof. Bogusław Dybaś, Direktor des Zentrums sowie „Hausherr“, feierlich eröffnet. Bedeutung und Rang des Gelehrten unterstrichen in ihren Grußworten auch Univ.-Prof. Dr. Arnold Suppan, Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Professor emeritus des Instituts für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien, Univ.-Prof. Dr. Andreas Kappeler, Professor emeritus des Instituts für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien sowie Univ.-Professor Dr. med. Jan Zazgornik, vormals Präsident des Klubs der Professoren der Polnischen Akademie der Wissenschaften – Wissenschaftliches Zentrum in Wien, dessen Mitglied Walter Leitsch war.

Der erste Teil der Konferenz war den persönlichen Kontakten von Walter Leitsch zu polnischen Historikerkreisen gewidmet. Der erste Referent, Univ.-Prof. Jerzy Wyrozumski, Generalsekretär der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Künste, unterstrich in seinem Referat die engen Kontakte von Walter Leitsch zu den Krakauern Historikern. Gemeinsam mit Józef Buszko initiierte er die fünfbändige Publikationsreihe Studia Austro – Polonica, die in enger Zusammenarbeit österreichischer und polnischer Forscher entstand. Im Rahmen dieses gemeinsamen österreichisch-polnischen Publikationsprojekts ermöglichte Walter Leitsch auch zahlreichen polnischen Forschern einen Forschungsaufenthalt in Wien. Im zweiten Referat gab Professor Sławomir Gawlas, Universität Warschau, einen Einblick in seine persönlichen Erinnerungen an seine langjährige Freundschaft mit Walter Leitsch - basierend auf einen umfangreichen Briefwechsel, aus dem er zahlreiche bewegende Zitate verlas. Prof. Gawlas unterstützte Leitsch viele Jahre bei der Beschaffung von in Polen erschienenen Büchern für die Bibliothek des Instituts für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. Ein weiterer Aspekt der fruchtbaren Zusammenarbeit mit polnischen Wissenschaftlern waren die Tagungen der österreichisch-polnischen Schulbuchkommission, deren Arbeit den in Österreich und Polen verwendeten Schulbüchern für Geographie und Geschichte, dem darin vom jeweiligen anderen Land vermittelten Bild sowie etwaigen gemeinsam festgestellten notwendigen Korrekturen gewidmet war. Neben Leitsch war auch Univ.-Prof. Dr. Marija Wakounig ein Mitglied dieser Kommission, eine von Leitschs Schülerinnen und nunmehr Ordinaria am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien.

Der zweite Teil der Konferenz war dem wissenschaftlichem Oeuvre von Professor Leitsch gewidmet. Seine Forschungen zur Geschichte Polens konzentrierten sich auf die Herrschaftszeit von Sigismund III. Wasa. Sein vierbändiges opus magnum, Das Leben auf dem Hof von Sigismund III von Polen, erschien wenige Jahre vor seinem Tod. Es ist Frucht seiner mehr als zwanzig Jahre dauernden Forschungen. Univ.-Prof. Edward Opaliński, Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau, betonte, dass dieses Buches die Rezeption des ersten Wasas auf dem polnischen Thron seitens der Historiographie grundlegend veränderte, der bislang in einem höchst negativen Lichte erschien.

Die folgenden Referate galten weiteren Forschungsthemen von Walter Leitsch, die spätere Epochen der Geschichte Polens gewidmet waren. Almut Bues, Deutsches Historisches Institut Warschau, referierte über das opus magnum von Leitsch vor dem Hintergrund seiner herausragenden, ja beispielgebenden Wirkung einer auf Quellen beruhenden Forschungsleistung. Die beiden letzten Referate von Prof. Bogusław Dybaś und von Univ.-Prof. Christoph Augustynowicz, Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien, galten späteren Epochen der Geschichte Polens, die für Leitsch ebenfalls von Interesse waren: Univ.-Prof. Dr. Bogusław Dybaś untersuchte, welche Bedeutung König Jan III. Sobieski im wissenschaftlichen Schaffen von Leitsch einnahm und stellte dessen sämtliche diesem König gewidmete Publikationen, darunter auch Rezensionen der dem „Retter von Wien“ gewidmeten Biographien von Otto Forst-Battaglia, Gerda Leber-Hagenau sowie Zbigniew Wójcik vor. Zwar hat Leitsch, wie Univ.-Prof. Dr. Bogusław Dybaś bedauernd feststellte, kein dem „Retter von Wien“ gewidmetes Werk verfasst, doch spiegeln Einzelaufsätze und Rezensionen durchaus sein Interesse an diesem wider.

Walter Leitsch widmete sein Leben der historischen Forschung, obwohl er, wie mehrmals im Lauf der Tagung erwähnt wurde, eigentlich Philologe werden wollte. Seine Kenntnis von fünfzehn oder sogar sechzehn Sprachen, darunter auch Polnisch, erweckte stats Bewunderung. Zum krönenden Ausklang des Abends fand ein kleines Konzert dreier junger polnischer Musiker statt – Krzysztof Kokoszewski (Violine), Jacek Stolarczyk (Violine) und Piotr Kościk (Klavier) – die zwei Werke von Astor Piazolla (Oblivion und Le Grand Tango) zur Aufführung brachten.

Anna Głowacka

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