Witelo - der erste europäische Gelehrte von europäischem Ruhm

Dipl.-Ing. Krzysztof Dąbrowski

Am 13. März 2009 fand im Sobieskisaal des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien der Vortrag von Krzysztof Dąbrowski, dem Generalsekretär der Vereinigung Polnischer Ingenieure und Techniker in Österreich, mit dem Titel „Witelo – der erste polnische Gelehrte von europäischem Ruhm" statt. Der Referent stellte das Leben und die Leistungen dieses mittelalterlichen Forschers, der aus Schlesien stammte und sich um die polnische und europäische Wissenschaft verdient gemacht hat, vor. Ziel dieses Vortrags war es, das Wissen um diesen herausragenden Gelehrten bekannter zu machen, der unverdienterweise in Vergessenheit geriet und nur einem kleinen Kreis von Spezialisten bekannt ist.
 Der Abend wurde vom Direktor des Zentrums, Professor Bogusław Dybaś, eröffnet, der die Teilnehmer begrüßte und eine kurze Einführung in die Thematik des Vortrags gab. Anschließend ergriff Krzysztof Dąbrowski das Wort, der nachdrücklich erklärte, dass es die Leistungen von Witelo verdienen, bekannter gemacht zu werden. Zu Beginn seines Vortrags erörterte Dąbrowski die politische Situation in Polen im 12. Jhdt., wobei er besonderes Augenmerk auf das Problem der Zerschlagung der Bezirksstruktur lenkte. Anschließend wurde der Lebenslauf des Gelehrten vor dem Hintergrund von Schlesien des 13. Jhdt. vorgestellt, dem Herkunftsort Witelos. Leider verfügen wir nicht über umfangreiche Quellen, die sein Leben betreffen. Wahrscheinlich wurde er um 1220 in der Ortschaft Borek in Schlesien geboren (heute ein Teil von Wrocław) oder in Legnice. Er studierte in Paris und in Padua, die Weihe zum Kaplan erfolgte im Jahr 1267. Beachtenswert ist die Tatsache, dass er aus einer polnischen-sächsischen Familie stammt, er selbst bezeichnete sich als Sohn der Thüringer und der Polen; Polen betrachtete er als sein Vaterland. Mit Wrocław eng verbunden, verblieb er auch im Umkreis der Bischöfe und Fürsten von Wrocław. Er war der geistige Führer des Fürsten von Breslau Władysław. Der Referent wies darauf hin, dass er der erste weit bekannte polnische Gelehrte ist, der sich mit Mathematik, Philosophie, Naturwissenschaften und Optik beschäftigte. Dieser widmete er  sein Hauptwerk „Peri optikes” (um 1273), dessen Bedeutung überaus groß war. Der Autor des Referats unterstrich, dass es eine Zusammenfassung des damaligen Wissens über die Optik war, seiner Art nach ein Lexikon, aber es zeichnete sich auch durch einen innovativen und nicht selten modernen Zugang zu vielen der angesprochenen Standpunkte und Probleme aus. Die Abhandlung Witelos, die bis heute in 16 Manuskripten erhalten ist, wurde im Jahr 1533 unter dem Titel „Perspectiva” gedruckt und oftmals wieder aufgelegt. Sie stellte die Wissensquelle über die Optik bis ins 17. Jhdt. dar und wurde von den späteren großen Gelehrten wie Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler und Isaac Newton gelesen. Leider befindet sich in Polen zurzeit keine Handschrift dieser Abhandlung, während die Universitätsbibliothek in Uppsala die Handschrift mit den eigenhändigen Notizen von Kopernikus besitzt. Während des Vortrags wurden die Titelseiten der unterschiedlichen Ausgaben gezeigt, darunter der Ausgabe von Wrocław aus dem Jahr 1571 sowie die angesprochene Inhaltsangabe der einzelnen Bücher des Werks.
 Zum Schluss seines Referats wies der Referent darauf hin, dass Witelo, dieser herausragende mit Schlesien und Wrocław verbundene Gelehrte, eine bedeutende Repräsentationsfigur der Stadt und der Region sein könnte. Er verlieh auch seiner Hoffnung Ausdruck, dass Witelo mehr geschätzt werden würde und dass die ihm gewidmeten Bücher an jedem Kiosk in Wrocław gekauft werden könnten.
 Nach dem Vortrag fand eine Diskussion statt, an der die Teilnehmer aktiv teilnahmen, an den Erkenntnissen dieses ersten polnischen Gelehrten von europäischen Ruhm waren sie sehr interessiert. Nach Beendigung des wissenschaftlichen Teils des Treffens wurden die Gäste zu traditionellen Erfrischungen und Wein in den Rittersaal geladen.
 

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