Wiener Theaterkunst in der Kopernikusstadt Thorn

Dr. hab. Marek Podlasiak

Am 21. Mai hielt Dr. hab. Marek Podlasiak, Institut für Germanistik der Nikolaus Kopernikus-Universität in Toruń, im Jan III Sobieski-Saal der Polnischen Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum im Rahmen des Zyklus Kopernikusvorlesungen einen Vortrag zum Thema „Wiener Theaterkunst in der Kopernikusstadt Thorn/Toruń”, in der er die Geschichte des Dramas und der Schauspielkunst in Toruń vor dem Hintergrund der Verbindungen zu Wien vorstellte. So traten Schauspieler Wiener Bühnen in Toruń auf, auch über Stücke österreichischer Dramatiker, die in Toruń gezeigt wurden, sprach Prof. Podlasiak sowie über das Theatergebäude selbst.
Erstmals trat in Toruń ein Ensemble österreichischer Schauspieler im Jahr 1701 auf - die „Wienerischen Comoedianten”. Im Jahr 1717 waren sie neuerlich in Toruń zu Gast, diesmal dem „König Lear” von William Shakespeare. Gleichzeitig ist dies der erste Nachweis für die Rezeption des Werks Shakespeares in der Kopernikusstadt. Im 18. Jdht. verfügte die Stadt noch über kein eigenes Theatergebäude. In der Zeit von 1724-1756 wurden Theaterstücke daher im so genannten „Dom Weselny“ (dem späteren Hotel Sanssouci, Hotel de Varsovie) gezeigt. Im 19. Jhdt. wurde am Altstädter Markt ein klassizistisches Mietshaus errichtet, das auch als Theaterbühne diente. Dieses Gebäude wurde in den Achtzigerjahren des 19. Jhdt. demoliert wurde.
Das neue Theatergebäude in Toruń entstand im Jahr 1904. Die Architekten dieses neuen Theaters waren die berühmten Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer. Fellner & Helmer plante und errichtete bis zum Jahr 1919 48 Theatergebäude in 35 europäischen Städten sowie zahlreiche Hotels und repräsentative Gebäude unterschiedlicher Art, u.a. das Palais Lanckoroński in Wien. Unter den Theatergebäuden von Fellner & Helmer seien an dieser Stelle u.a. auf das Wiener Volkstheater, die Oper in Graz sowie die Theater in Salzburg, Hamburg, Fürth, Karlovy Vary (Karlsbad), Cluj-Napoca (Klausenburg), Wrocław und Cieszyń genannt. Die ursprüngliche Fassade des Theaters in Toruń spiegelt deutlich Einflüsse von Barock und Rokoko wider. Das Theater hatte 800 Sitz- bzw. Stehplätze, viele Jahrzehnte hindurch war es ausschließlich ein deutsches Theater. Neben Dramen wurden auch Opern und Operetten aufgeführt.
Im Jahr 1920 entstand das erste professionelle polnische Ensemble, das am 28. November sein Debüt mit der Vorstellung von „Zemsty” von Aleksandr Fredra begann. Dieser Aufführung wohnte auch Ministerpräsident Wincenty Witos bei. Weiterhin waren Werke österreichischer Dramatiker sowie großer Komponisten, beispielsweise Mozart und Strauß, auf der Bühne vertreten.
Nach dem Besuch von Goebbels im Jahr 1939 wurde das Gebäude aus ideologischen Gründen umgebaut. Im Inneren wurde eine Mittel- sowie zwei Seitenlogen errichtet. Von der Fassade wurde der ornamentale Schmuck entfernt, im Jahr 1941 wurden vom Dach auch zwei Podeste mit Adlern entfernt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden deutschsprachige Opern und Operetten aufgeführt, u.a. von Mozart. Das polnische Theater nahm im Juni 1945 wieder seine Tätigkeit auf. Besondere Verdienste dabei erwarb sich der Theaterreformer Wiliam Horzyc, nach dem das Theater heute benannt ist.
Musikalische Umrahmung des Abends war ein Konzert junger Violinisten. Krzysztof Kokoszewski spielte das Adagio aus der Sonate I in g-moll (BWV 1001) von Johann Sebastian Bach sowie die Caprice Nr. 23 von Niccolò Paganini. Anschließend erklang ein Duett für zwei Violinen op. 148 von Ludwiga Spohr, ausgeführt von Anna Gutowska und Krzysztof Kokoszewski.

Alina Mazur

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