Breslauer Universitätsprofessoren im österreichischen akademischen Umfeld

Am 4. Oktober 2012 fand im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften eine Debatte im Rahmen der „Conrad Celtis Diskussionsforum“ unter dem Titel „Breslauer Universitätsprofessoren im österreichischen akademischen Umfeld nach dem Zweiten Weltkrieg“ statt. Die Begegnung bestand aus zwei Teilen. Im ersten diskutierten österreichische und polnische Wissenschaftler, die vom Direktor des Zentrums, prof. Bogusław Dybaś, begrüßt wurden – Prof. Jan Harasimowicz (Direktor des Museums der Universität Breslau), Dr. Klara Kaczmarek-Löw, Dr. Juliane Mikoletzky und Dr. Christa Binder – über Beziehungen zwischen Universitäten Wien und Breslau. Im zweiten wurde von Prof. Adam Jezierski (Prorektor der Universität Breslau für Forschungsangelegenheiten und Zusammenarbeit mit dem Ausland) und von Prof. Harasimowicz die Ausstellung „Universität Breslau/Wroclaw 1811/2011“ geöffnet.                                                      
Prof. Harasimowicz, der den ersten Teil der Debatte moderierte, betone langjährige Beziehungen zwischen Breslau und Wien, die schon am Anfang des XVIII. Jahrhunderts begannen. 1702 wurde vom Kaiser Leopold II. die „Academia Leopoldina“ (Jesuitenhochschule) gegründet und sein Motto „Consilio et industria“ ist bis heute im Wappen der Breslauer Universität zu sehen. Der Herrscher schickte auch nach Breslau seinen Hofmaler Johann Michael Rottmayer mit dem Auftrag, die Kirche der neuen Akademie zu bemalen. Dr. Mikoletzky, die Leiterin des Universitätsarchivs der TU Wien, skizzierte ein sehr breites Panorama der Kontakte beider Hochschulen in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, wobei sie betonte, dass für viele österreichische Forscher der relativ kurze Aufenthalt in Breslau ein „Sprungbrett“ für die weitere wissenschaftliche Karriere an wichtigen deutschen Universitäten war. Diese Situation änderte sich nach dem ersten Weltkrieg, als die Breslauer Universität als eine Anstalt im „Grenzland des Deutschtums“ an Attraktivität gewann. Zwei weitere Diskutantinnen widmeten ihre Vorträge hervorragenden Wissenschaftlern, die in Breslau arbeiteten. Dr. Binder stellte dem Publikum den Mathematikprofessor, Johann Radon, dar und ihre Aussage wurde von der Erzählung Dr. Brigitte Bukovics‘, der Tochter des Wissenschaftlers ergänzt, die u.a. die dramatische Flucht ihrer Familie aus Breslau im Februar 1945 beschrieb. Dr. Kaczmarek-Löw dagegen präsentierte die Gestalt Prof. Dagobert Freys, des bekannten Kunsthistorikers, der sich in der italienischen Kunst der Frührenaissance spezialisierte und während des Zweiten Weltkrieges in die sog. „Sicherstellung der polnischen Kunstwerke“ verwickelt war. Dieser letzte Vortrag wurde zu einer Basis für interessante Überlegungen aller Diskutanten über die politische Begrenzungen der wissenschaftlichen Aktivität in der Vergangenheit und in der Gegenwart.                         
Der zweite Teil der Debatte wurde von Prof. Jezierski geöffnet, der in seiner Rede die Notwendigkeit der deutsch-polnischen Forschungen über die Geschichte der Universität Breslau hervorhob. Prof. Harasimowicz brachte dem Publikum auf interessante Weise die komplizierte Geschichte der Breslauer Universität näher. Danach überreichten beide Wissenschaftler den österreichischen und den polnischen Debattenteilnehmern Gedächtnismedaillen und luden herzlich alle Anwesenden zur Besichtigung der Ausstellung ein. Nach einer kurzen Pause wurde dem Publikum vom Internationalen Opernensemble „Sonotrio“ die stimmungsvollen Szenen aus den beliebtesten Opern von Mozart (u.a. „Don Giovanni“, „Die Zauberflote“ und „Cosi fan tutte“) präsentiert.  

Tadeusz Skwara

 

fot.: Adam Jaskot

Logo de kolor300DPI

 

Kontakt

Polnische Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum in Wien
Boerhaavegasse 25

1030 Wien - Österreich
Telephon: + 43 1 713 59 29

Fax: + 43 1 713 59 29 550
Mail: office@viennapan.org 
Impressum

 

Termine

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29

Anfahrt

© 2016 PAN - All Rights Reserved
DMC Firewall is developed by Dean Marshall Consultancy Ltd