Deutsch und die Umgangssprachen der Habsburgermonarchie

Konferenz

Von 15. bis 16. November  fand im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien die wissenschaftliche Tagung „Deutsch und die Umgangssprachen in der Habsburgermonarchie“ statt, die in Zusammenarbeit mit der Universität Rzeszów veranstaltet wurde. Die zahlreich erschienenen Gäste wurden von Dr. Ewa Cwanek-Florek, Universität Rzeszów (sie war die wissenschaftliche Kuratorin der Konferenz) und vom Direktor des Zentrums, Prof. Bogusław Dybaś, begrüßt. Fünfzehn Referenten aus Österreich, Tschechien, Slowenien und der Slowakei stellten die neuesten Forschungsergebnisse bezüglich der Situation einzelner Sprachen in der Habsburgermonarchie dar.

Am ersten Tag wurden 9 Referate vorgetragen, die u.a. den für alle Länder des ehemaligen Österreich-Ungarns gemeinsamen Ausdrücken und Lexemen, der Widerlegung der Legende über die Vielsprachigkeit als  Hauptfaktor des Untergangs der Habsburgermonarchie und der Kommunikation zwischen verschiedenen Gesellschaftsschichten (u.a. zwischen dem Wiener Bürgertum und seinen Dienern, die sich ganz unterschiedlicher Sprachen bedienten) des Vielvölkerstaates gewidmet waren. Die Forscher der Universität Rzeszów  analysierten hingegen die Entlehnungen aus dem Deutschen in der Pressesprache Galiziens an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. In zwei weiteren Referaten besprachen die Vortragenden die Entwicklung des Ukrainischen, das dank der Bemühungen zahlreicher Forscher verschiedene abstrakte Ausdrücke entlehnte, und andererseits zu einer wichtigen Waffe im Kampf um das nationale Bewusstsein wurde, dessen Höhepunkt u.a. ein  „Krieg“ bezüglich geographischer Bezeichnungen zwischen Polen und Ukrainern war.  Besonderes Interesse des Publikums weckten zwei Vorträge. Im ersten, in dem Mag. Clara Reiter die Lage der Dolmetscher aus dem Polnischen und Russischen am Wiener Hof im 17. Jahrhundert skizzierte, konzentrierte sich die Forscherin vor allem auf die Position dieser Höflinge innerhalb des diplomatischen Protokolls. Während der zweiten Präsentation stellte Dr. Liliana Madelska den Grad der Beherrschung des Polnischen bei den in Żywiec wohnenden Habsburgern dar, indem sie die Fernsehsendungen mit den Aussagen der letzten Vertreterin dieses Zweigs der Familie, der seligen Maria Christina von Habsburg, detailliert analysierte. Die Forscherin bewies, dass die Herzogin das Polnische sehr gut behrerrschte, was u.a. darauf zurückzuführen ist, dass sie in ihrer Kindheit mit polnischen Kindern spielte.            
Am zweiten Tag wurden sechs Referate vorgetragen, von denen zwei den s.g. deutschen Sprachinseln in Slowenien und in der Slowakei gewidmet waren.  An diese Thematik knüpfte das Referat über Entlehnungen aus verschiedenen Sprachen in bairischen Mundarten, die im Rahmen der Arbeiten am Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich aufgegriffen wurden, an. Große Aufmerksamkeit seitens des Publikums zogen die Vorträge auf sich, die die Entwicklung des Faches „Deutsch“ in den Schulen des Imperiums zur Zeit Maria Theresias und Josephs II. (entgegen den Vorurteilen führte die Gleichschaltung der Unterrichtsregeln für dieses Fach zur besseren Kenntnis der Sprachen der Monarchie und zur Gründung des Taubstummeninstituts in Wien), die mitteleuropäische Weinterminologie sowie die Geschichte des Slowenischen, die Sprache einer relativ kleinen ethnischen Gruppe, der es gelang, ihre Unabhängigkeit im Kampf gegen größere Völker zu verteidigen, präsentierten.                                                                       

Nach der Meinung sämtlicher Teilnehmer war die Tagung sehr interessant, was in zahlreichen Fragen des Publikums an die Referierenden seinen Ausdruck fand. Allgemein wurde der Wunsch formuliert, dass dieses Thematik im Rahmen anderer Konferenzen in folgenden Jahren fortgesetzt wird.   

Tadeusz Skwara  

             Photos: Adam Jaskot      

Logo de kolor300DPI

 

Kontakt

Polnische Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum in Wien
Boerhaavegasse 25

1030 Wien - Österreich
Telephon: + 43 1 713 59 29

Fax: + 43 1 713 59 29 550
Mail: office@viennapan.org 
Impressum

 

Termine

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30

Anfahrt

© 2016 PAN - All Rights Reserved
DMC Firewall is a Joomla Security extension!