Alltagsperspektiven im besetzten Warschau. Fotografien eines deutschen Postbeamten (1939-1944)

Prof. Dr. Rudolf Jaworski / Florian Peters

Am 5. März 2013 fand an der Polnischen Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum in Wien die Präsentation des zweisprachigen (deutsch-polnisch) Buchs des Verlags des Herder-Instituts in Marburg Alltagsperspektiven im besetzten Warschau: Fotografien eines deutschen Postbeamten (1939-1944) = Perspektywy codzienności w okupowanej Warszawie: fotografie niemieckiego urzędnika pocztowego (1939-1944) von Rudolf Jaworski und Florian Peters statt.
Prof. Dr. Rudolf Jaworski ist Ordinarius emeritus für Osteuropäische Geschichte an der Universität Kiel. Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich vor allem auf die Geschichte Polens und Tschechiens. Florian Peters arbeitet am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Seine Dissertation befasst sich mit der Geschichte Polens von 1976 bis 1989. 
Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Dr. Heidi Hein-Kircher, der Leiterin des Wissenschaftsforums des Herder-Instituts in Marburg moderiert. Ihr Forschungsinteresse gilt der Geschichte Osteuropas, insbesondere jener Polens im 19. und 20. Jhdt.
Prof. Dr. hab. Bogusław Dybaś stellte die beiden Buchautoren vor und lud anschließend die Diskussionsteilnehmer dazu ein, am Podium Platz zu nehmen. Nach der Vorstellung der Diskussionsteilnehmer durch die Moderatorin Dr. Hein-Kircher reflektierte Prof. Jaworski  die Bedeutung privater Photosammlungen als Informationsquelle zur Erforschung der Geschichte des besetzten Warschaus. Sie zeigen den damaligen Alltag und hielten spontante Augenblicke fest.  Florian Peters stellte anschließend das Buch sowie einzelne Photographien vor.
Die Photos des Buches stammen aus dem Privatarchiv von Hermann Beyerlein, das dieser zu Hause aufbewahrte. Während der nationalsozialistischen Besetzung Polens war Beyerlein deutscher Postbeamter in Warschau. 1937 hatte er bei der Deutschen Reichspost in Berlin zu arbeiten begonnen, im Herbst 1937 wurde er nach Kiel versetzt. Auf eigenen Wunsch hin wurde er zur Deutschen Post Osten nach Warschau entsandt, wo er von 1939 bis 1944 tätig war.
An der anschließenden Podiumsdiskussion nahm der Photograph, Ausstellungskurator und Experte der Photographiegeschichte  Timm Starl teil, der auf die Ambivalenz der Aufnahmen Beyerleins hinwies.  Teils wird auf den Aufnahmen kühle Distanz sichtbar, teils - auf den Aufnahmen seines privaten Umfelds - persönliche Anteilnahme.
Die Historikerin Dr. Heidemarie Uhl, eine weitere Teilnehmerin der Podiumsdiskussion, betonte die Bedeutung der Entdeckung privater Photosammlungen und deren Publikation, da sie von großem dokumentarischen Wert sind. 
Im Anschluss kam es zu einer lebhafen Diskussion, in der der emotionale sowie der dokumentarische Wert der gezeigten Photographien angesprochen wurde. Auf eine entsprechende Frage antwortete Prof. Jaworski, dass es sich um Aufnahmen eines Zivilbeamten handelte, für den das Leben im besetzten Warschau zum Alltag geworden war.  Peters unterstrich, dass in dieser Publikation das besetzte Warschau aus einer etwas anderen Perspektive gezeigt werden soll. Resümierend wurde festgehalten, dass laufend neue private Archive veröffentlicht werden, wobei der historische Konzext nicht außer Acht gelassen werden darf.

Lidia Gerc

Photos: Adam Jaskot

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