Europa und der Jänneraufstand 1863 - 1864

Prof. Dr. habil. Jerzy Zdrada

Am 28. Februar 2013 fand im Wissenschaftlichen Zenturm der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien der Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Jerzy Zdrada zum Thema "Europa und der Jänneraufstand 1863-1864 – Missklänge im Konzert der Mächte" statt. Prof. Jerzy Zdrada, Ordinarius an der Jagiellonenuniversität Krakau, war Minister in der Regierung von Jerzy Buzek, Staatssekretär im polnischen Bildungsministerium und aktiv an der „Solidarnośc” beteitigt. Er war auch Teilnehmer am Runden Tisch.
In seinem Vortrag stellte Prof. Zdrada die Ereignisse des Jänneraufstands im Kontext der damaligen Großmächte Großbritannien, Österreich, Preußen und Russland teil.
Angesichts der entschlossenen Haltung der Teilungsmächte schien das Schicksal Polens besiegelt. In dieser Situation vertraten die Polen zwei unterschiedliche Standpunkte. Während die einen sich dafür aussprechen, die bestehende Situation zu akzeptieren, traten die anderen für den aktiven Kampf dagegen ein. Für letztere Position sprachen die angespannten Beziehungen zwischen den Teilungsmächten und deren Konflikte mit Frankreich.
Adam Jerzy Czartoryski war zu dieser Zeit in Paris und in London diplomatisch aktiv und berief sich dabei auf die Beschlüsse des Vertrags von Wien des Jahres 1815. Die polnische Seite argumentierte, dass die Wiederherstellung eines unabhängigen Polens Bedingung für die Aufrechterhaltung des Friedens in Europa wäre, und bemühte sich darum, zumindest eine Macht für dieses Anliegen zu gewinnen.
Für die damaligen Mächte jedoch war die polnische Frage jedoch nur ein Faustpfand. Großbritannien fürchtete beispielsweise, dass die Wiedererrichtung eines unabhängigen Polens die politische Position Frankreichs stärken würde.
Der Aufstand brach am 22. Jänner 1863 an, unmittelbarer Auslöser war die Rekrutierung zum polnischen Herr. Frankreich, das einen europäischen bewaffneten Konflikt in Betracht zog, ermunterte Polen zur Fortsetzung des Aufstands. Großbritannien wandte sich mit einer diplomatischen Note den Aufstand betreffend an Russland, weitere Schritte wurden nicht unternommen, ähnlich gingen Österreich und Frankreich vor. Es war dies die erste und gleichzeitg letzte formale diplomatische Intervention im 19. Jahrhundert, die die polnische Frage betraf. Angesichts der drei unterschiedlichen Standpunkte wies Russland deren Forderungen zurück.  Im August 1863 hatte der Aufstand vor Hintergrund der europäischen politischen Szene verloren.
Im April teilte Napoleon III. mit: „Jetzt gibt es auch für Euch keine Hoffnung mehr”. Die Niederlage des Aufstands führte zur Sorge um langfristige Folgen, wozu aich Repressionen, Russifizierung und die Vereinigung polnischer und russischer Gebiete beitrug.
Im 19. Jahrhundert kämpften auch weitere Völker mit unterschiedlichem Erfolg für ihre Unabhängigkeit (Griechen, Belgier, Ungarn, Iren sowie auf dem Balkan), zur damaligen Zeit war es jedoch ohne die Unterstützung anderer Mächte nicht möglich, Unabhängigkeit zu erlangen.
Schlussendlich, so Prof. Zdrada, scheiterten sowohl die in die revolutionäre Bewegung gesetzten Hoffnungen als auch jene in die Westmächte.
Die Solidarität der Mächte untereinander besiegelte für ein halbes Jahrhundert die polnische Unfreiheit.

Lidia Gerc

fot.: Adam Jaskot

Logo de kolor300DPI

 

Kontakt

Polnische Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum in Wien
Boerhaavegasse 25

1030 Wien - Österreich
Telephon: + 43 1 713 59 29

Fax: + 43 1 713 59 29 550
Mail: office@viennapan.org 
Impressum

 

Termine

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29

Anfahrt

© 2016 PAN - All Rights Reserved
DMC Firewall is developed by Dean Marshall Consultancy Ltd