Sechster Tag der Offenen Türe

Am 22. Juni 2013 lud die Polnische Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum in Wien in Zusammenarbeit mit der Wiener Krakauer Kulturgesellschaftzum sechsten Tag der Offenen Türe, der in diesem Jahr unter dem Motto "Karl Lanckoroński und sein Wien" stand.
Die zahlreich erschienenen Gäste, unter ihnen auch der Botschafter der Republik Polen in Wien Artur Lorkowski, wurden vom Direktor des Zentrums Prof. Bogusław Dybaś herzlich willkommen geheißen. Er stellte auch die erste Referentin, die Leiterin der Abteilung für Malerei, Grafik und Skulpturen am Königsschloss auf dem Wawel in Krakau Dr. Joanna Winiewicz-Wolska, vor.
Diese hielt einen Vortrag zum Thema „Karl Graf Lanckoroński und seine Tochter Professoressa Karolina”, in dem sie auf der Grundlage  zahlreicher Zitate seiner ZeitgenossInnen zeigte, wie Lanckoroński (1848-1933) von diesen wahrgenommen wurde. Sie berichtete weiters über die Kunstsammlung des Grafen, die zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlungen ihrer Zeit gehörte und Werke von Rembrandt, Cranach, Gemälde italienischer Meister des Quattrocento sowie antike Kunstwerke beherbergte, die der Graf im Laufe seiner Reisen erworben hatte. Die Kunstsammlung befand sich im Palais des Grafen in der Jacquingasse in Wien und war seit dem Jahr 1902 einmal im Jahr für alle Interessenten zu besichtigen - ein Angebot, das Jahr für Jahr zahlreiche BesucherInnen anzog. Dennoch wurde nie ein Katalog der Sammlungen erstellt.
Karolina, die 1898 geboren wurde, war ihrem Vater in vielerlei Hinsicht äußerst ähnlich. Während des Zweiten Weltkriegs, in dem sie von der Gestapo arrestierte Personen unterstützte, zeigte sie große Charakterstärke. Im Zuge eines Verhörs durch Gestapochef Hans Krüger im Jahr 1942 erfuhr sie, dass dieser für die Ermordung der Lemberger Professoren im Jahr 1941 verantwortlich war. Noch vor dem Krieg, im Jahr 1926, dissertierte sie an der Universität Wien mit einer Arbeit zum Thema „Das jüngste Gericht des Erzengels Michaels in der Sixtinischen Kapelle". Sie war die erste weibliche Dozentin an einer polnischen Universität, sie habilitierte sich 1935.
Der Zweite Weltkrieg und der "Anschluss" Österreichs führten dazu, dass die Kunstsammlung von Lanckoroński in alle Welt zerstreut wurde. Seine Kinder, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nach Österreich zurückkehrten, waren dazu gezwungen, einen Teil der verbliebenen Sammlungen zu verkaufen. 1995 schenkte Lanckorońska die noch in ihrem Besitz befindlichen Kunstwerke polnischen Kulturinstitutionen "zu Ehren der Polnischen Republik".
Anschließend hielt Aleksandra Szymonowicz-Hren einen Vortrag zum Thema „Auf den Spuren von Kar Graf Lanckoroński in Wien”. Sie ist Mitarbeiterin am Projekt "Karol Lanckoroński und sein schriftlicher Nachlass in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek".
Karol Lanckoronski wurde in einem Wendejahr der österreich-ungarischen Monarchie geboren - im Jahr 1848, als Kaiser Franz Joseph I. den Thron bestieg. Die Familie Lanckoronski lebte in Wien, wobei die Familie des öfteren ihren Wohnsitz wechselte. Geboren wurde er in der Schenkenstraße 51 im heutigen ersten Bezirk. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1874 lebte er in der Riemergasse 8 (das ursprüngliche Gebäude an dieser Adresse wurde 1902-03 durch einen Neubau ersetzt). Dank den Photographien von August Stauda, der oft im Hause von Lanckoronski zu Gast war, wissen wir, wie das Portal und das Innere dieses Hauses ausgesehen hat.
1878 ehelichte Lackoronski Maria Salm Reifferscheidt. Von seinem Vater und seinen Onkel erbte er eine umfangreiche Kunstsammlung, die er durch eigene Ankäufe sowie durch Kunstwerke, die er auf seinen zahlreichen Reisen (u.a. im Jahr 1882 mit Otto Benndorf in Kleinasien) erwarb. 1882 zog er in eine Wohnung in der Wasagasse 6 im neunten Bezirk unweit des Rings um.
Für seine ständig wachsende Kunstsammlung beschloss Lanckoronski auf einem Grundstück in der Jacquingasse im dritten Bezirk, das an den Botanischen Garten angrenzte, ein Palais errichten zu lassen. Das Palais wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1960 abgetragen. 1892 heiratete Lanckoroński Franziszka von Attems. Zu dieser Zeit gab er auch die Errichtung eines Gebäudes im Stile einer toskanischen Villa im damals noch außerhalb der Grenzen Wiens gelegenen Ober St. Veit in Auftrag. Nach dem Tod seiner ein Jahr nach der Eheschließung verstorbenen geliebten Gattin erinnert eine Gedenktafel in der Kapelle der Villa an diese, das Haus selbst verschenkte er der Stadt Wien für karitative Zwecke. Heute dient es den Karmelitinnen als Kloster.
Heute ist die Familie Lanckoroński weitgehend vergessen. Das von der Polnischen Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum in Wien durchgeführte Projekt, soll neue Forschungserkenntnisse erbringen und Leben und Werk von Lanckoronski in Erinnerung rufen, über den Edgar Haide im Jahr 1984 geschrieben hat: „Lanckoroński? Fast nicht läßt sich darüber in Archiven erfahren. Und selbst den auf Österreich und seine Kultur spezialisierten Lexika ist dieser Name keine Erwähnung mehr wert”.
Nach dem Vortrag von Aleksandra Szymanowicz-Hren stellte Prof. Dybaś Adam Korczyński, Polnische Akademie der Wissenschaften und Künste in Krakau, vor, der die Photoausstellung „Karl Lanckoroński und sein Wien” (aus den Sammlungen der Photothek Lanckoroński der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau) kuratierte. Er erläuterte die im Rahmen der Ausstellung gezeigten Photographien und lud sehr herzlich zur Besichtigung der Ausstellung ein.
Nach einer kurzen Pause betraten die Künstler des Krakauer literarischen Kabaretts „Piwnica pod Baranami”: Agata Ślazyk (Gesang), Maciej Półtorak (Gesang), Tomasz Kmiecik (Gesang und Klavier), Agata Półtorak (Violine) und Marek Michalak (Posaune).

Lidia Gerc

Photos: Dr. Adam Ziemlewska

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