Gemeinsamkeiten und Unterschiede des kulturellen Gedächtnisses der ehemaligen habsburgischen Kronländer Galizien und Bukowina

Univ.-Prof. Dr. hab. Maria Kłańska

Am 17. Juni 2013 hielt Prof. Dr. hab. Maria Kłańska im Rahmen des Vortragszyklus der Kopernikusvorlesungen einen Vortrag zum Thema "Gemeinsamkeiten und Unterschiede  des kulturellen Gedächtnisses der ehemaligen habsburgischen Kronländer Galizien und Bukowina".
Der Direktor des Zentrums Prof. Bogusław Dybaś sowie Prof. Alois Woldan hießen die Gäste herzlich willkommen. Letzterer unterstrich die herausragende Bedeutung der Forschungen von Frau Professor Kłańska zu einer Forschungsthematik, die von dieser erstmals untersucht wurde. In diesem Kontext wies er auch auf die 1991 erschienene Publikation von Prof. dr. hab. Maria Kłańska Daleko od Wiednia: Galicja w oczach pisarzy niemieckojęzycznych 1772-1918 hin.
In einem historischen Überblick schilderte die Referentin die Veränderungen in der Administration und politischen Zugehörigkeit von Galizien und der Bukowina. Die Bezeichnung Galizien und Lodomerien, die im Allgemeinen zu Galizien verkürzt wurde, taucht nach der ersten Teilung Polens auf. Zu diesem Zeitpunkt wurden Teile von Südpolen unter der Bezeichung Königreich Galizien und Lodomerien Österreich angegliedert. Als dessen Hauptstadt war auf Grund seiner zentralen Lage zunächst Jarosław vorgesehen, auch Przemyśl wurde in Erwägung gezogen. Schlussendlich entschied man sich jedoch für Lwów. Die Grenzen der neuen Provinz wurden endgültig während des Wiener Kongresses festgelegt, Kronland wurde sie 1850. Gewöhnlich wird zwischen West- und Ostgalizien unterschieden, Teilungskriterium waren die Bezirke der Appellationsgerichte in Krakau für Westgalizien und in Lemberg für Ostgalizien. Zu Westgalizien gehörten Kraków (das bis 1846  nicht zu Galizien gehörte), Biała Krakowska, Tarnów, Rzeszów, Nowy Targ, Jaworzno und Nowy Sącz, zu Ostgalizien gehörten Sanok, Krosno, Przemyśl, Lwów, Stanisławów (heute Iwano-Frankowsk) und Tarnopol.
Die historische Region Bukowina ist im östlichen Mitteleuropa zwischen den östlichen Karpaten und dem mittleren Dnjestr gelegen. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist sie in einen nördlichen Teil in der heutigen Ukraine und in einen südlichen Teil im heutigen Rumänien geteilt. 1775 fiel infolge des Friedens von Küçük Kaynarca der größere Teil der Bukowina an Österreich, das es an Galizien anschloss. Im März 1849 wurde die Bukowina von  Galizien getrennt und zu einem eigenständigen Kronland.
Auf Grund der ethnisch gemischten Bevölkerung Galiziens war die Provinz von kultureller Vielfalt geprägt In diesem Kontext erinnerte die Referentin an Josef Roth (Studienreisen nach Czernowitz), Rudolf Wagner, Mieczysław Orłowicz und Józef Korzeniowski, die das Galizien ihrer Epoche beschrieben. Die Referentin wies auch auf die schwierige polnisch-ukrainische Vergangenheit sowie auf die Notwendigkeit hin, zu diesem Thema weiter zu forschen.
Auch die zahlreich erschienenen Gäste waren von diesem Thema sichtlich bewegt, was sich auch in zahlreichen Fragen, u.a. nach den wechselseitigen polnisch-ukrainischen Beziehungen und dem nicht immer friedlichen Zusammenleben widerspiegelte. Auch an Stepan Bandera wurde erinnert, der für die Ukrainer ein Nationalheld ist, für die Polen hingegen die Verantwortung für den Massenmord an der polnischen Bevölkerung Lembergs trägt. Auch Bohdan Chmielnicki wurde erwähnt, er war der Anführer des Aufstands gegen den polnischen Adel sowie an die von ukrainischen Nationalisten verübten Morde an Polen.
Im Kontext mit dem Desiderat gemeinsamer Forschungen zur Geschichte der polnisch-ukrainischen Beziehungen wies Prof. Dybaś auf die Aktivitäten des Zentrums für Historische Forschung in Berlin hin, das Forschungen zum kollektiven Gedächtnis sowie zur Geschichte der polnisch-deutschen Beziehungen betreibt.
Nach der Diskussion gab das Das Kleine Wien Trio - Jacek Obstarczyk (Arrangements und Klavier), Jacek Stolarczyk (Violine) und  Krzysztof Kokoszewski (Viloline) - ein Konzert.

Lidia Gerc

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fot.: Adam Jaskot

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