Fürst Eduard Lubomirski und die literarischen Früchte seines Aufenthaltes in Wien

Univ.-Prof. Dr. hab. Jarosław Ławski

Am 26. Juni 2013 hielt Univ.-Prof. Dr. Jarosław Ławski am Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften einen Vortrag zum Thema „Fürst Eduard Lubomirski und die literarischen Früchte seines Aufenthaltes in Wien“. Der Direktor des Zentrums, Prof. Bogusław Dybaś, stellte zu Beginn des Abends den Referenten, Univ.-Prof. Jarosław Ławski, vor. Dieser ist Professor an der Universität Białystok.
Prof. Ławski referierte über das literarische Schaffen von Edward Lubomirski, der ein viel versprechender Diplomat, Philanthrop und Literat war, bedauerlicherweise aber bereits im Alter von 27 Jahren verstarb. Von seinem seinem frühen Tod abgesehen - er starb im Duell -, an den öfters erinnert wird, ist er in der polnischen Literatur weitgehend vergessen. Nach Ansicht des Referenten war Fürst Lubomirski der erste Schriftsteller der polnischen Romantik. Er gab eine Übersetzung des Faust von August Klingemann mit einem Vorwort von 30 Seiten heraus. Der erste Band der Gedichte von Adam Mickiewicz erschien erst im Jahr 1822. Im Alter von 19 Jahren verfasste Lubomirski, der sich als russischer Diplomat in Wien aufhielt, das Buch Obraz historyczno-statyczny Wiednia. Oryginalnie 1815 r. wystawiony z planem tegoż miasta, ein historisch-statistisches Bild von Wien aus dem Jahr 1815. Das Werk erschien anonym, da es seinem Verfasser auf Grund seiner Position zur damaligen Zeit nicht zustand, eine solche Arbeit zu verfassen bzw. sich mit jenen Themen zu befassen, die im Zentrum seines Werkes stehen. Prof. Dr. Jarosław Ławski betonte in seinem Vortrag, wie sehr Lubomirksi von Österreich fasziniert war. Gleichzeitig aber äußert er sich in seinem Werk über Österreich durchaus kritisch - aus der Perspektive eines höchst gebildeten Menschen, der ein ausgezeichneter Kenner der Literatur, Geschichte, Musik und deren Schöpfer sowie auch der Salons seiner Zeit war.  Bis zu seinem frühen Tod erschienen von Lubomirski folgende Werke:
- Obraz historyczno-statystyczny Wiednia oryginalnie 1815 r. wystawiony: z planem tegoż miasta [Historisch-statistisches Bild von Wien aus dem Jahr 1815 mit einem Plan dieser Stadt]
- Faust: tragedja w pięciu aktach, przez A. Klingemanna ; z niem. wolnym wierszem przetł [Faust: Tragödie in fünf Akten von A. Klingemann; in freien Versen aus dem Deutschen übersetzt]
- Groby w dniu śmierci Tadeusza Kościuszki : dumy rycerskie.
Zu Unrecht ist sein literarisches Werk heute so gut wie vergessen, man erinnert sich hauptsächlich an ihn als Philanthropen und Wohltäter Dies, so Prof. Ławski, müsse 200 Jahren nach seinem Tod anders werden.
Die Teilnehmer dieses Vortragsabends, die dem Vortrag mit großem Interesse folgten, richteten anschließend zahlreiche Fragen an den Referenten. Mit Erstaunen wurde die Information vernommen, dass keine der Arbeiten von Lubomirski bis dato wiederaufgelegt wurde. Gefragt wurde auch nach Details zu den Ersterscheinungen der Werke sowie nach dem genauen Aufenthaltsort von Lubomirski in Wien. Erinnert wurde auch daran, dass das Grabmal von Lubomirski auf dem Friedhof St. Marx bis heute erhalten blieb. In diesem Zusammenhang wurde auch darüber diskutiert, ob der Aufenthalt von Lubomirski in Wien auf Grund diplomatischen Quellen Russlands dieser Zeit bestätigt bzw. genauer untersucht werden könnte. Gefragt wurde weiteres nach der Rezeption der österreichischen Literatur seitens Lubomirski. Der Referent wies daraufhin, dass der Fürst von der österreichischen Literatur fasziniert war, jedoch auch die Andersartigkeit der Literatur der Habsburgermonarchie feststellt, die er als provinziell betrachtete. Von einem Diskutanten wurde sogar ein Attentat auf den jungen Diplomaten für möglich gehalten, was jedoch eher unwahrscheinlich  sein dürfte. 
Eine wichtige Frage galt auch den Editionsplänen. Wie Prof. Ławski antwortete, soll noch 2013 der Faust von Klingemann mit dem Vorwort von Lubomirski erscheinen, als nächste Publikation soll Groby w dniu śmierci Tadeusza Kościuszki: dumy rycerskie erscheinen. Das am schwierigsten zu verwirklichende Editionsvorhaben ist vermutlich die Herausgabe des Werks Obraz historyczno-statystyczny Wiednia, da dieses eines aus österreichischer und aus polnischer Perspektive verfassten historisch-kritischen Apparats bedarf. Zu diesem Aspekt fügte Prof. Dybaś an, dass zur Klärung dieser Fragestellungen bereits ein Arbeitstreffen vorangegangen war, das u.a. editorische Fragen sowie die Frage der Bewerbung dieses Projekts zum Inhalt hatte. Im Hinblick auf den sich im Jahr 2015 zum 200. Male jährenden Wiener Kongress wurde u.a. beschlossen, dass 11. Kapitel des Buches über Wien, das dem Wiener Kongress gewidmet ist, herauszugeben. Zum Abschluss des Abends trat das Kleine Wien Trio auf. Krzysztof Kokoszewski (Violine), Jacek Stolarczyk (Violine), Jacek Obstarczyk (Klavier) spielten Werke von R. Galliano, V.Monti und J.Brahms.

Lidia Gerc

Photos: Adam Jaskot

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