Schönbrunn und Wilanów

Konferenz

Am 11. März 2013 fand am Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien ein Seminar zum Thema "Schönbrunn-Wilanów. Konservierung denkmalgeschützter Wandtextilien sowie vorbeugende Konservierung in historischen königlichen Residenzen".  

Professor Bogusław Dybaś, der Direktor des Zentrums, begrüßte die Gäste sowie als besondere Ehrengäste den Direktor von Schloss Schönbrunn Dr. Franz Sattlecker sowie den Direktor des Palastmuseums Wilanów Paweł Jaskanis sehr herzlich. 

Im ersten Teil des Seminars zum Thema „Konservierung und Rekonstruktion von Wandtextilien” referierten als Vertreter des Palastmuseums Wilanów die Mikrobiologin Dr. Agnieszka Leśkiewicz-Lauda, die Restauratorin Agnieszka Pawlak sowie die Kunsthistorikerin und Textilrestauratorin Tamara Przygońska. Sie berichteten u.a. über die Forschungen über klimatische, mikrobiologische Einflüsse sowie des Einflusses von Licht auf denkmalgeschützte Textilien, deren Ziel die Bestimmung der Risikofaktoren ist, die schädliche Auswirkungen auf die Textilien haben.  Dabei wurde u.a. herausgefunden, dass insbesondere proteolytische Bakterien für die Wandtextilien besonders gefährlich sind. Die Referenten erläuterten die Methoden zur Konservierung von Wandtextilien, die auf deren Reinigung, Stabilisierung und Ersatz mittels Nadelmethode beruht. Die Textilien aus dem Holländischen Kabinett sowie aus dem Königlichen Schlafgemach waren bereits zu 90 % zerstört. Sie wurden restauriert, an ihrer Stelle sind nun Kopien zu sehen. Auch über die Forschungsergebnisse hinsichtlich des Einflusses von Licht wurde berichtet sowie über prophylaktische Maßnahmen.

Dr. Elfriede Iby, Leiterin der Abteilung für Forschung und Dokumentation im Schloss Schönbrunn sprach über  Forschungen zur Rekonstruktion des Damastes sowie zur Textilausstattung des Westterrassenkabinettes. Sie stellte weiters die Geschichte der Wandtextilien im Inneren des Palastes vor, wobei sie auch auf die Geschichte der Wandtextilien in den Innenräumen des Schlosses einging. Ausdrücklich wies sie auf den Damaststoff hin sowie darauf, dass Weiß, Rot und Gold die Hauptfarben waren.  Die Referentin zeigte am Beispiel einer Ananas auch, wie sehr man sich um originalgetreue Wiedergabe von Objekten bemühte. 

Der Vortrag der Kunsthistorikerin und Expertin der Wohnkultur im 18. und 19. Jhdt. Dr. Liselotte Hanzl-Wachter war den Textilien gewidmet, die der Kaiserliche Hof in Innsbruck sowie die Hofburg erwarben. Dank den durchgeführten Forschungen sowie der Textilien, die die Hofburg in Innsbruck sowie die Wiener Hofburg erworben hatten, konnte festgestellt werden, welche Pigmente und Farben in dieser Zeit verwendet wurde, seit wann synthetische Materialien verwendet wurden und wann und auf welche Weise Reparaturen durchgeführt wurden.

In der Hofburg stammen die Textilien aus dem 18. Jhdt.  Die Ausstattung der kaiserlichen Gemächer aus dem Jahr 1776 sind die einzigen ihrer Art in Österreich. Die Einrichtung der Hofburg wurde im Hinblick auf deren geänderte Funktion seit 1846 systematisch an andere Standorte übertragen

Regina Höllinger und Britta Schrank, Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für Angewandte Kunst, referierten über Faktoren, die für denkmalgeschützte Bauten gefährlch sind und konzentrierten sich dabei auf einen davon, den Staub, dem sie im Boucherzimmer der Hofburg in Wien untersuchen. Ein vollständiger Schutz vor Staub ist nicht möglich, da die Exponate für die Besucher zugänglich sein müssen, was mit zunehmender Besucherzahl auch eine zunehmende Gefährdung für die Objekte darstellt. Die Staubbelastung erfordert eine regelmäßige Reinigung, die ihrerseits auch zur Gefährdung der Objekte beiträgt. Darüber hinaus dringt der Staub in immer tiefere Schichten der Objekte ein. Die Forschungen werden mittels Einsatz modernster Methoden durchgeführt, u.a. mittels optischer Analyse REM, Analyse der Kristallstruktur, Röntgenstrahlen und Analyse des PH-Werts. Im Zuge der Forschungen wurden auch vorbeugende Maßnahmen für sinnvoll erachtet, beispielsweise die Verwendung von durchsichtigen Paravents sowie die Ersetzung der Originale durch Kopien).

Nach den Referaten kam es zu einer Diskussion. Festgestellt wurde u.a. dass die Lage der Hofburg im Stadtzentrum einen weiteren Gefährdungsfaktor darstellt, während die Lage von Wilanów, das von einem Grüngürtel umgeben ist, in dieser Hinsicht wesentlich günstigere Rahmenbedingungen aufweist. In Wilanów bedient man sich eines besonderen Systems zur Stauberfassung (Filter, Matten etc.). Besonderes Interesse seitens der Experten aus Polen weckten auch die Untersuchungen der Pigmente in den Textilien. 

Nach einer Pause war der zweite Teil des Seminars der Anwendung des Geoinformationssystem GIS als Instrument des Denkmalschutzes gewidmet, an dessen Beginn das Referat von Ing. Günther Ferencsin, Schönbrunn, stand, der sich mit den vielfältigen Aspekten der Beleuchtung auseinandersetzte. Zunächst widmetete er sich grundlegenden Fragen der Optik und stellte Beleuchtungskonzepte sowie deren Durchführung vor. Weiters zeigte er, auf welche Weise der einstige Charakter der Interieurs dargestellt werden kann. In den Innenräumen werden u.a. LED-Lampen verwendet, die im Boden, an der Ecke sowie hinter Gesimse versteckt sind. Schädliche Lichtquellen wie UV-Strahlen wurden eliminiert. Man bedient sich auch gerichteter Beleuchtung. Besonderen Cahrakter, auch hinsichtlich der Beleuchtung, hat die Große Galerie. Gemeinsam mit der Firma Svarovski wurde unter Verwendung von Kristallen, die die Beleuchtung modellieren, eine besondere Lichttechnik entwickelt.  Man versuchte dabei soweit wie möglich die seit den Zeiten Edisons bestehende Lichttechnik als Denkmal der Technik beizubehalten. Resümierend hielt der Referent fest, dass es einen Kompromiss zu finden gilt, wie man die Objekte so gut wie möglich bei gleichzeitig möglichst geringer Beschädigung zeigen kann. 

Dr. Peter Dorninger stellte in seinem Vortrag die 3-D-Dokumentation sowie deren Einsatz im Schloss Schönbrunn vor. Zur Schaffung einer vollständigen Datenbank wurden sämtliche mögliche Materialien herangezogen. Diese wurde auf der Grundlage geophysischer Forschungen erstellt, die im ganzen Schloss durchgeführt wurden. Von einem Helikopter wurden mit Laserscan die verschiedenen Schichten aufgezeichnet. Ähnlich wurde mit dem Gebäude, der Kleinarchitektur sowie weiteren Objekten in Schloss und Schlosspark vorgegangen. Deren genaue digitale Registrierung ermöglicht es, sämtliche Veränderungen zu dokumentieren.

Die nun folgenden Referenten waren Vertreter von Wilanów - der Restaurator Wojciech Bagiński und Małgorzata Przeździęk, die die Möglichkeit der Dokumentation und einer prophylaktischen Konservierung mittels des geoinformatischen Systems GIS vorstellten. Gleichzeitig erklärten sie, auf welche Weise die die Objekte mit diesen neuen technologischen Möglichkeiten überwacht werden können. Dank laufender Überwachung ist eine rasche Identifizierung von Gefahrenquellen sowie deren Ausschaltung möglich. In ihrem Resüme betonten die Referenten die Vorteile des Systems, das sich zahlreicher Informationsquellen bedient, die mögliche Arbeit an einzelnen Schichten sowie dessen umfassendes Einsatzgebiet. In der Diskussion nach dem Referat wurde nach Anwendungsmöglichkeiten des 3D-Programms in der Praxis gefragt sowie nach der Möglichkeit, es auch bei der Herstellung von Duplikaten sowie der Reparatur von Objekten zu verwenden. Int

Direktor Jaskanis dankte für die Möglichkeit, ein Treffen dieser Art im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien zu veranstalten sowie für die erwiesene Gastfreundschaft. Er verlieh weiters seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Zusammenarbeit und der österreichisch-polnische Erfahrungsaustausch in Zukunft fortgesetzt würde.

Die Vorträge wurden von Margarete Dissauer und Joanna Ziemska simultan gedolmetscht, denen  großer Dank für die hervorragende Übersetzung dieser komplexen Thematik ausgesprochen wurde.  

Zum Abschluss brachten Krzysztof Kokoszewski (Violine) und Piotr Kościk (Klavier) in einem Konzert Meditation (Thais) von Jules Massenet sowie die Sonate h-moll op.58 von Fryderyk Chopin zur Aufführung.

Lidia Gerc

fot.: Adam Jaskot

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