„Geschichtspolitik und »Türkenbelagerung«“ sowie „Der erinnerte Feind. Kritische Studien zur »Türkenbelagerung«“

Buchpräsentation

Am 17. September 2013 fand im Jan III Sobieski Saal der Polnischen Akademie der Wissenschaften eine Buchpräsentation statt, in deren Rahmen das Projekt „Türkengedächtnis“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt wurde.
Im ersten Statement stellte Johannes Feichtinger die Hintergründe und Ursachen vor, warum ein Projekt zu diesem Thema in Angriff genommen wurde. Er erörterte, wie sich das Türkengedächtnis im österreichischen Diskurs entwickelte und wie dieser Feind in innen- und außenpolitischen Konflikten genutzt wurde. Johannes Heiss berichtete über die Hintergründe dieses Projekts, in deren Rahmen auch die an diesem Abend vorgestellten Bücher herausgegeben wurden, sowie über die Institutionen und Wissenschaftlern, die daran beteiligt sind. Darüber hinaus erklärte er, warum gerade die Türken im österreichischen kollektiven Gedächtnis als Feind betrachtet werden. Anschließend erläuterte Prof. Moritz Csaky die Frage der kritischen Reflexion über das Türkengedächtnis und der unterschiedlichen Narrationen der jeweiligen Länder, in denen sich diese Erinnerung herausbildete. Er verglich Österreich mit Ungarn, in dem das Problem der türkischen oder finno-ugrischen Herkunft der Nation bestand, die zur Zeit der Entstehung des modernen Ungarns ein wesentliches Element der nationalen Identität war. Simon Hadler beschäftigte sich mit der Erinnerungspolitik am Beispiel der Feierlichkeiten zum zweihundertsten (1883) und dreihundertsten Jahrestag (1983) der Schlacht bei Wien. Die Feierlichkeiten des 19. Jahrhunderts, der vom Versuch, zwei kollektive Erinnerungen miteinander zu konfrontieren und die österreichische Erinnerung an die Schlacht in den Vordergrund zu rücken, geprägt war, stellte er den Feierlichkeiten vor 30 Jahren gegenüber, in deren Verlauf der Feind in der Sowjetunion identifiziert wurde. Das Hauptanliegen von Prof. Dybaś war die Spezifik der polnischen kollektiven Erinnerung an die Schlacht bei Wien, in dessen Zentrum Johann III. Sobieski steht, der in der polnischen Geschichtsschreibung in mythischer Form dargestellt und von den Historikern allzu unkritisch wahrgenommen wird. Dr. Ziemlewska ergänzte das Thema der kollektiven Erinnerung und analysierte die Rezeption Sobieskis nach dem Sieg bei Wien. Während der Präsentation wurde auch auf Fragen der ikonographischen Darstellung eingegangen.
Abschließend wurde die Internetseite zum Projekt „Türkengedächtnis“ vorgestellt.
In der darauffolgenden Diskussion wurde die Problematik der Konkurrenz der Erinnerung an den Entsatz von Wien zwischen Johann III. Sobieski und Karl Alexander von Lothringen angesprochen. U.a. wurde die Frage gestellt, ob es sich bei der Schlacht bei Wien um den Entsatz oder die Verteidigung der Stadt handelte. Man überlegte auch, warum die Türken im polnischen Diskurs der Schulbücher nicht präsent sind. Zahlreiche Emotionen rief auch die zeitgenössischen Rezeption des Osmanischen Reiches hervor.

Aleksandra Mróz

 

Photos: Adam Jaskot

Logo de kolor300DPI

 

Kontakt

Polnische Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum in Wien
Boerhaavegasse 25

1030 Wien - Österreich
Telephon: + 43 1 713 59 29

Fax: + 43 1 713 59 29 550
Mail: office@viennapan.org 
Impressum

 

Termine

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31

Anfahrt

© 2016 PAN - All Rights Reserved
Our website is protected by DMC Firewall!