Ein Wendepunkt in der Geschichte Europas? Die internationale Bedeutung der Schlacht am Kahlenberg 1683

Univ.-Prof. Dr. hab. Bogusław Dybaś

Am 23. September 2013 hielt Univ.-Prof. Dr. Bogusław Dybaś, der Direktor des Zentrums, im Jan Sobieski III-Saal des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen der Vorlesungsreihe der „Wszechnica Wiedeńska“ – eine Vortragsreihe, die die Popularisierung der Wissenschaften zum Ziel hat - einen Vortrag  über „Ein Wendepunkt in der Geschichte Europas? Die internationale Bedeutung der Schlacht am Kahlenberg 1683“.
Prof. Dybaś begann seinen Vortrag mit der Frage, ob diese Schlacht wirklich als Wendepunkt bezeichnet werden kann. Für die Bedeutung  der Schlacht in der Geschichte spricht, dass sie sowohl für Polen als auch für Österreich als Erinnerungsort gilt. Weiters dafür spricht, das die Publikation „Hundert Schlachten, die die Welt veränderten“ auch die Schlacht am Kahlenberg anführt. Nach Ansicht des Referenten zeugt dies davon, dass die Schlacht im populären europäischen Diskurs präsent ist. Um die Bedeutung der Schlacht zu veranschaulichen, schilderte Prof. Dybaś die damalige politische Situation in Europa, die zur Belagerung von Wien sowie zu dessen Befreiung  geführt hat. Daher knüpfte Prof. Dybaś an das Ende des Dreißigjährigen Kriegs und an das Machtsystem nach dem Westfälischen Frieden 1648 an, indem er die innere Situation im Heiligen Römischen Reich der Deutschen Nation und der Habsburgermonarchie betonte. Im weiteren Teil der Vorlesung besprach Prof. Dybaś die Ereignisse, die der Schlacht vorausgingen: die osmanische Belagerung von Wien unter der Führung von Kara Mustafa, die einige Monate dauerte; die Bündnisschließung zwischen der Habsburgermonarchie und Polen und den Kuruzzenaufstand unter der Führung von Imre Thököly.
Bezüglich der Schlacht selbst konzentrierte sich der Referent vor allem auf die Mythen, die rund um die Schlacht entstanden.  Es ist unrichtig, dass die türkische Armee bedeutend größer war. Es wurde auch betont, dass die richtige Auseinandersetzung mit den osmanischen Heeren in der zweiten Schlacht bei Parkany (jetzt Sturovo in der Slowakei) Anfang Oktober erfolgte. Um die Bedeutung der Schlacht besser vor Augen zu führen, analysierte Prof. Dybaś die weiteren Kriegshandlungen gegen die Türken, die mit dem Frieden von Karlowitz endeten.
In seinem Resümee beantwortete der Referent seine anfangs gestellte Frage. Seiner Meinung nach spricht für die große Bedeutung der Schlacht die Zahl der Kämpfenden, 130.000 Kämpfende auf beiden Seiten. Die Schlacht ist ein Resultat des ersten erfolgreichen Bündnisses gegen die Türken. Die Schlacht veränderte das Machtsystem in Mitteleuropa, es gab keine direkte Bedrohung für den Kontinent, deshalb ist es falsch, von einer Rettung Europas vor der türkischen Invasion zu sprechen.
In der Diskussion wurde auch danach gefragt, inwieweit Polen von der Schlacht profitieren konnte - nach Ansicht von Prof. Dybaś durchaus, da Johann III Sobieski den richtigen Moment nutzte, um in der internationalen Politik in Erscheinung zu treten. Dadurch ging er auch in die Geschichte ein.  Österreich kam bei den Beschlüssen des Friedens von Karlowitz besser weg, da die habsburgische Armee die meisten Erfolge der Heiligen Liga im Krieg gegen die Türken davontrug.

Photos: Anna Ziemlewska

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