250. Jahre Gardekirche am Rennweg

Symposium

Am 11. September 2013 fand im Sobieski-Saal des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien ein Symposium anlässlich des 250. Jahrestages der Fertigstellung der Gardekirche am Rennweg statt. Das Symposium eröffnete der Direktor des Zentrums, Prof. Bogusław Dybaś. In seiner Begrüßungsansprache betonte er die große Zahl von Jahrestagen, die 2013 gefeiert werden. Im Kontext der polnisch-österreichischen Beziehungen sind folgende Jahrestagevon besonderer Bedeutung : Schlacht am Kahlenberg (1683), Geburtstag (1763) und Todestag (1813) von Józef Poniatowski und Todestag von Karol Lanckoroński (1933). Historisch gesehen ist der 250. Jahrestag der Fertigstellung der Gardekirche am Rennweg, anlässlich dessen dieses Symposium veranstaltet wurde,  von geringerer Bedeutung. Die Gardekirche am Rennweg erfüllt eine sehr wichtige Rolle im Leben der polnischen Gemeinschaft in Wien. Deshalb sollte jedoch auch dieser Jahrestag würdig begangen werden. Anschließend stellte Prof. Dybaś vor: den Historiker Prof. Michał Baczkowski, Jagiellonen-Universität, und den Kunsthistoriker Prof. Jan Harasimowicz, Universität Breslau.
Das erste Referat „Die Galizische Garde von 1781 bis 1816“ hielt Professor Baczkowski. Er sprach über die Galizische Garde, die der Kirche ihren Namen Kirche verliehen hat. Zu Beginn besprach Professor Baczkowski die Ziele und Voraussetzungen für die Entstehung der Garde, einer nach der ersten Teilung von Polen gegründeten Institution, derer wichtigste Aufgabe die Ausbildung junger polnischer Adeliger im Geiste der Loyalität gegenüber der Habsburgermonarchie war. Die Garde sollte eine repräsentative Rolle spielen und  Eliten für Galizien ausbilden. Dann erörterte Prof. Baczkowski die Geschichte der Galizischen Garde, ihre Teilnahme an höfischen Festveranstaltungen in der Regierungszeit von Josef II und die spätere Einverleibung in die Deutsche Garde. Es wurde auch über den Krieg Österreichs gegen das Herzogtum Warschau im Jahre 1809 und die Einstellung der galizischen Gardisten, die relativ oft desertierten, zu diesem Krieg gesprochen. Es wurde auch betont, dass in der Garde keine Söhne hochadeliger Familien gedient hätten, sondern Angehörige des mittleren Adels. Aus diesem Grund war das Prestige der Garde eher niedrig. Zum Schluss wurden die Gardisten Jan Krukowiecki und Ludwik Łętowski vorgestellt, die in die Geschichte eingegangen sind. Es wurde deutlich darauf hingewiesen, dass sie auf keinerlei Art und Weise mit Österreich verbunden waren, woraus man schließen kann, dass die Garde ihre Aufgabe nicht immer erfolgreich erfüllt hatte.
Das zweite Referat „Die Gardekirche in Wien und die Frage des josefinischen Stils“ wurde von Prof. Jan Harasimowicz über die außergewöhnliche Architektur der Kirche gehalten. Die Kirche wurde von Niccolo Pacassi entworfen, der vor allem als Architekt von Schönbrunn zur Regierungszeit von Maria Theresia bekannt ist. Gemeinsame architektonische Elemente sind an beiden Gebäuden zu bemerken, beispielsweise die Ähnlichkeit der Rokokoverzierungen im Spiegelsaal von Schönbrunn und der Gardekirche. Prof. Harasimowicz erörterte auch die architektonischen Voraussetzungen, gemäß derer die Kirche entstanden ist. Ungewöhnlich ist die riesige Kuppel, die an die Barockkirchen des 17. Jh. in Rom anknüpft. Der Vergleich der Gardekirche mit anderen Gebäuden in Wien aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. zeigt deren Außergewöhnlichkeit und Einzigartigkeit.
In der Diskussion ging man auf die Frage nach dem josefinischen Stil ein. Bis zu welchem Grad kann man im Falle der Gardekirche vom josefinischen Stil sprechen? Prof. Harasimowicz distanzierte sich von dieser Stellungnahme und machte darauf aufmerksam, dass die Kirche zur Regierungszeit von Maria Theresia entstanden ist, deshalb ist der Versuch, die Kirche mit Kaiser Josef zu assoziieren, falsch. Die Erwähnung der Kaiserin wurde zum Ausgangspunkt zur Besprechung der damaligen Situation in Österreich und der Verbindung dieser Situation mit der Architektur. Die Frage nach der Rolle der Galizischen Garde in der Politik Josefs II beantwortete Prof. Baczkowski ausführlich, indem er auf die Einstellung des Kaisers zu den von Österreich okkupierten Gebieten Polens einging. Es wurden die vom Kaiser ins Leben gerufenen Institutionen wie der Galizische Landtag, der de facto keine Möglichkeit zu regieren hatte´, genau besprochen. An dieser Stelle wurde die Politik des Kaisers mit der Politik des preußischen Königs Friedrichs II. verglichen. Die letzte Frage nach der alternativen Verwendung der Worte „galizische“ und „polnische“ Garde in den Quellen löste eine Diskussion Bezeichnung über "Galizien" sowie über den nationalen Adel in den von Österreich okkupierten Gebieten aus.

Aleksandra Mróz

 

fot.: Adam Jaskot

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