Wyspiańskis „Wesele” („Hochzeit”) als Herausforderung für den Übersetzer

Dr Agata Méhes-Paluszek

Am 28. Januar 2014 hielt Dr. Agata Méhes-Paluszek am Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien einen Vortrag zum Thema "Wyspiańskis "Wesele" ("Hochzeit") als Herausforderung für den Übersetzer - Vergleiche und Analysen anhand der Übertragungen von Henryk Bereska (1977) und Karl Dedecius (1992)". Zunächst wurden die Gäste mit einem Zitat aus "Wesele" vom Direktor des Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien, Prof. Bogusław Dybaś, willkommen geheißen.
Die Referentin Dr. Agata Méhes-Paluszek ist Germanistin, Übersetzerin sowie Verfasserin zahlreicher Abhandlungen über die Arbeit von Henry Bereska sowie Redakteurin des einmal jährlich erscheinenden "Kulturführer Mitteleuropa", der vom Institut für Donauraum und Mitteleuropa in Wien herausgegeben wird. Korefent Dr. Andreas Lawaty ist Historiker und Slawist. Seine Forschungsinteressen gelten der polnischen Geschichte sowie insbesondere der Kultur- und Literaturgeschichte und den deutsch-polnischen Beziehungen. Er ist langjähriger Mitarbeiter des unter anderem auf
Initiative von Karl Dedecius gegründeten Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt sowie wissenschaftlicher Redakteur der bei Suhrkamp erscheinenden Polnischen Bibliothek und Mitarbeiter des Nordost-Institut in Lüneburg.
Lange Zeit wurde es für unmöglich gehalten, das berühmte polnische Drama "Wesele" von Wyspiański zu übersetzen. 1977 übersetzte Henryk Bereska das Stück zum ersten Mal und erschloss es auf diese Weise den deutschsprachigen Rezipienten. Im Jahr 1992 übersetzte Karl Dedecius das Stück ein zweites Mal. Bereska war Lyriker und Übersetzer lyrischer Werke, Dedecius ist ein bedeutender Übersetzer polnischer Dichtung. Die Referentin zeigte anhand einzelner Übersetzungsbeispiele die Unterschiede zwischen den beiden Übersetzungen, die aus den unterschiedlichen Ansätzen von Bereska und Dedecius resultieren. Eine besondere Schwierigkeit liegt daran, den deutschsprachigen LeserInnen die symbolische Vieldeutigkeit dieses Dramas zu erschließen.
Bei der Übersetzung des góralischen Dialekts bediente sich Bereska einer Reihe deutscher Dialekte, während Dedecius konsequenter vorging. Bereska versuchte, sämtliche Symbole, Anspielungen und Allegorien den deutschsprachigen Rezipienten so nahe wie möglich zu bringen, Dedecius war daran gelegen, das Werk zu aktualisieren.
Nach dem Vortrag dankte Dr. Lawaty für den sehr interessanten Vortrag und unterstrich nochmals die Verdienste beider Übersetzer. Er berichtete auch von den Begleitumständen rund um die zweite Übersetzung und wies auf die Problematik des richtigen Verständnisses der Botschaft von "Wesele" hin. Er brachte weitere Übersetzungsbeispiele
jungpolnischer Literatur, wobei "Wesele" auf Grund seiner tiefgründigen Symbolik zu den schwierigsten Werke für Übersetzer gehört.
Das Publikum hatte anschließend viele Fragen zum Vortrag, zum Theaterstück sowie zu den Übersetzungen. Auch über unterschiedliche Inzsenierungen des Stücks in Österreich und Deutschland wurde diskutiert, u.a. jene von Andrzej Wajda.
Das Drama stellte einen Kommentar zur Situation seiner Zeit dar, die für viele Menschen schwer verständlich war.
Zum Ausklang des Abends spielte Anna Gutowska ein Fragment aus Tschaikowskis "Schwanensee".

Lidia Gerc

fot.: Adam Jaskot

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