Aufklärerische Reformen in Polen. Kommission für Nationale Bildung

Univ.-Prof. Dr. hab. Dorota Żołądź-Strzelczyk

Am 2. September 2014 hielt Univ.-Prof. Dr. hab. Dorota Żołądź-Strzelczyk am Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien einen Vortrag zum Thema „Aufklärerische Reformen in Polen. Kommission für Nationale Bildung“.
Die zahlreich erschienenen Gäste wurden vom Direktor des Zentrums Prof. Bogusław Dybaś willkommen geheißen. Es wurde betont, dass der Vortrag im Rahmen des von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. hab. Kalina Bartnicka durchgeführten Projekts erfolgt.
Prof. Żołądź-Strzelczyk ist Historikerin an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen sowie Verfasserin und Mitverfasserin von Büchern und Artikeln aus dem Bereich der Bildungs- und Erziehungsgeschichte. Koreferent Univ.-Prof. Mag. Dr. Christoph Augustynowicz ist Historiker am Institut für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien.
Der erste Vortrag beinhaltete „Grundinformationen über die Bedingungen und Ursachen der Entstehung der Kommission für Nationale Bildung im Oktober 1773 in Polen-Litauen sowie über die Richtungen deren Tätigkeit“. Die Kommission führte einheitliche Vorschriften in Bezug auf Schulen und Bildung ein, was die Modernisierung des Schulwesens sowie die Einführung eines einheitlichen Schulsystems ermöglichte. Man nahm sich der Bildung auf allen Ebenen an. Im Jahre 1775 wurde die Gesellschaft für Elementarbücher (Towarzystwo do Ksiąg Elementarnych) ins Leben gerufen. Man beschäftigte sich auch mit der Frage der Lehrer und Mädchenbildung.
Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Żołądź-Strzelczyk ergriff Prof. Augustynowicz das Wort. Er verglich die Entstehung und Geschichte der Kommission für Nationale Bildung mit der von Maria Theresa eingeführten Bildungsreform sowie mit dem unter Joseph II. entwickelten Josephinismus. Im Jahre 1768 beschloss die Kaiserin, kirchliche Angelegenheiten der staatlichen Verwaltung zu unterstellen. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens (1773) wurde auf der Basis von dessen Vermögen ein Bildungsfond gegründet. Die Verantwortung für das Schulwesen wurde der neu entstandenen Hofkommission für Bildung (Nadworna Komisja Edukacji) übergeben. Der Koreferent zitierte Walter Demel, der Josephinismus als eine Sonderform des aufgeklärten Absolutismus bezeichnete. Prof. Augustynowicz unterstrich, dass man sowohl die Kommission für Nationale Bildung als auch den Josephinismus als großen Erfolg der damaligen Zeit beurteilen kann.
Nach den Vorträgen entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Man stellte die Frage nach der allgemeinen Schulpflicht. Die Bildungsreform in Polen betraf vor allem die Kinder der Adeligen, für Bauern galt damals die Schulpflicht nicht. Man fragte auch, wie das Schulwesen finanziert wurde. Neben den Referenten nahmen u. a. auch die Teilnehmer des Forschungsprojekts über die Kommission für Nationale Bildung Prof. Kalina Bartnicka und Prof. Julian Dybiec, teil. Prof. Bartnicka erklärte, dass die Kommission das Vermögen des Jesuitenordens übernahm, was die Finanzierung der Reformen ermöglichte sowie die Unabhängigkeit der Kommission sicherte. In Polen wurde die Schulpflicht von den Teilungsmächten zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführt. Prof. Dybiec hob hervor, dass Frühbildung eine Form der Staatsorganisation bildete, was in absolutistischen Monarchien, wie in der Habsburgermonarchie, wesentlich war. Im damaligen Polen hatte man jedoch solche Bedürfnisse nicht. Die Verzögerung in der allgemeinen Bildung (Bildung von Bauern) hing nicht nur mit der Politik der Adeligen, sondern auch mit der Rückständigkeit der Gesellschaft zusammen.
Prof. Żołądź-Strzelczyk skizzierte auch die finanzielle Struktur der Kommission. Diese verfügte über Provinzkassen, deren Mittel an die Zentralinstitution abgeführt wurden. Falls diese Mittel fehlten, wurde Provinzkassen von der Zentralkasse unterstützt.
Man diskutierte auch über fremde Einflüsse auf das Bildungswesen in Polen sowie über den Einfluss der Teilung Polens auf die Reformversuche. Man fragte, ob die Reform auch die jüdische Gemeinde umfasste. Man antwortete, dass Juden das eigene Schulwesen auf dem Gebiet ihrer Gemeinden organisierten.

Lidia Gerc      

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