Kommission für Nationale Bildung

Vortragsabend

Am 3. September 2014 wurden im Rahmen der Vorlesungsreihe „Wszechnica Wiedeńska“ zwei Vorträge über die Kommission für Nationale Bildung veranstaltet. Die in Zusammenarbeit des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien mit dem Monatsmagazin der polnischen Community in Österreich „Polonika“ organisierte Veranstaltung fand im Jan III. Sobieski-Saal statt. Der erste Vortrag zum Thema „Arbeiten der Kommission für Nationale Bildung an der Schaffung eines neuen Universitätsmodells in Polen“ wurde von Univ.-Prof. Dr. hab. Kalina Bartnicka gehalten. Diese ist Bildungshistorikerin und ehemalige Direktorin des Instituts für Wissenschaftsgeschichte an der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie Leiterin des Forschungsprojekts über die Kommission für Nationale Bildung. Der zweite Gastreferent war Univ.-Prof. Dr. hab. Julian Dybiec – Historiker und Professor an der Jagiellonen-Universität in Krakau, der einen Vortrag zum Thema „Schaffung eines neuen Menschmodells von der Kommission für Nationale Bildung“ hielt. Der Direktor des Zentrums Prof. Bogusław Dybaś begrüßte die Gäste und stellte die Referenten vor.

Als erste ergriff Prof. Bartnicka das Wort. Ihren Vortrag begann sie mit einer kurzen Einführung über die Kommission – deren Entstehung, Finanzierungsart und Anfangstätigkeit. Dann ging sie zur Frage der Hochschulbildung über. Die ersten von der Kommission erlassenen Vorschriften berücksichtigten Universitäten nicht. Die Institution wurde gewissermaßen dazu gezwungen, sich dieses Problems anzunehmen, als das Problem der Lehrerbildung auftauchte. Auf Initiative von Hugo Kołłątaj wurden mit dieser Aufgabe die Akademien in Krakau und Vilnius betraut. Diese wurden anschließend der Kommissionsstrukturen angeschlossen.

Die Referentin erläuterte auch, warum das von Hugo Kołłątaj vorgeschlagene Universitätsprojekt als innovativ galt. Dabei betonte sie auch die großen Verdienste von Primas Michał Poniatowski, der die Kommission durch die ganze Reihe von unterschiedlichen Reformen führte.

Zusammenfassend hob Prof. Bartnicka hervor, dass die Kommission für Nationale Bildung zum Vorbild für andere Länder, u. a. für Russland und Preußen, wurde. Sie unterstrich auch, dass die Tätigkeit der Kommission sowie ihre Reformen als großen Erfolg der damaligen Zeit beurteilt werden können.

Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Bartnicka erfolgte das Referat von Prof. Dybiec. Erstens stellte er Erziehungsmodelle, die bis zur Epoche der Aufklärung angewandt wurden, dar. Er erwähnte u. a. mittelalterliche Ideale des Klerus, des Rittertums und der Bauern sowie das neue Menschenbild der Renaissance, das auf einer harmonischen Entwicklung beruhte.

Der Referent besprach auch das Menschenbild der Aufklärung. Er betonte, dass Bildung in dieser Epoche nicht mehr die Frage von Einzelpersonen war, sondern der Gestaltung der Gesellschaft bzw. des Staats dienen sollte.

Zum Schluss erläuterte Prof. Dybiec, wie das aufklärerische Menschenbild von der Kommission für Nationale Bildung verwirklicht wurde. Er erwähnte die Idee der Bildung von allen Gesellschaftsschichten – sowohl von Bauern, als auch von Adeligen. Die Kommission hatte zum Ziel, anständige Menschen und Bürger heranzubilden. Dieser sollte sich u. a. durch Gottesfurcht, Liebe zur Heimat und Respekt vor Macht auszeichnen. Besonders große Aufmerksamkeit schenkte die Kommission den exakten Wissenschaften. Betont wurde auch die Bedeutung der physischen Gesundheit von Schülern sowie ihrer guten Manieren.

Im Verlauf der auf die Vorträge folgenden Diskussion wurde nach dem aktuellen Stand der Jugendbildung in Polen gefragt. Prof. Bartnicka unterstrich, dass die Handlungen unserer Generation erst von den kommenden Generationen beurteilt werden können. Aus den bis heute erhaltenen Briefen von Lehrern aus der Zeit der Reformen Kołłątajs lässt sich schließen, dass sie sich selbst gegenüber sehr kritisch waren. Ähnlich klagen auch wir über die heutige Realität und vergessen dabei, wie viel wir innerhalb der letzten hundert Jahre erreichten.

Prof. Dybiec betonte dagegen, dass die letzten Bildungsreformen in Polen auf der Annahme basieren, dass das Schulwesen nur der Vermittlung von Wissen dienen sollte. Er betonte, dass Schulen heutzutage die Frage der Erziehung vernachlässigen und sich ausschließlich auf Bildung konzentrieren. Seiner Meinung nach sollte man den Jugendlichen auch Verantwortungs- und Pflichtgefühl beibringen.

Zum Schluss bedankte sich Prof. Dybaś bei den Referenten für ihre äußerst spannenden Vorträge und überreichte ihnen einige Publikationen des Zentrums.

Patrycja Maciejewska

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