Constant von Wurzbachs Verbundenheit mit Galizien. Ein Biographiensammler an der Peripherie der Habsburgermonarchie.

Dr. Isabel Röskau-Rydel

Am 19. März 2015 fand im Jan-III-Sobieski-Saal des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien ein deutschsprachiger Vortrag statt, der von Frau Prof. Isabel Röskau-Rydel, Pädagogische Universität in Krakau, gehalten wurde. Im Mittelpunkt des Vortrages standen das Leben und die wichtigsten Errungenschaften des berühmten Biographen der Habsburgermonarchie, Constant von Wurzbach, vor allem jedoch sein knapp elfjähriger Aufenthalt im Kronland Galizien und Lodomerien sowie seine Verbundenheit mit diesen Gebieten. Koreferentin war Frau Prof. Marija Wakounig, stellvertretende Institutsvorständin und Dozentin für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien.

Der Abend wurde mit der herzlichen Begrüßung aller Gäste seitens des Direktors des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien, Prof. Bogusław Dybaś, eröffnet, der anschließend der Referentin das Wort übergab.

Prof. Röskau-Rydel begann ihren Vortrag mit einer kurzen Vorstellung von Constant von Wurzbach sowie Wissensquellen zu seinem Leben und seiner Tätigkeit. Einen wichtigen Stellenwert hat dabei interessanterweise die Kurzbiographie - oder eher die kurzen Autobiographie, die Wurzbach über sich selbst verfasst hatte. Anschließend erörterte die Vortragende die Umstände, unter denen Wurzbach als neunzehnjähriger junger Mann nach Galizien gelangte, wo er als Infanteriesoldat diente. Begeistert für galizische Kultur und Bräuche, besonders aber für den polnischen Stolz und die polnische Freiheitsliebe, wie die Zuhörer des Vortrags erfuhren, publizierte Wurzbach viele mit Krakau und Galizien verbundene Texte. Prof. Röskau-Rydel zitierte während ihres Referats eines seiner Gedichte, in dem eine Szene, die in einer Judenschenke spielt, dargestellt wurde. In diesem Gedicht brachte dessen damals noch junger Verfasser seinen Enthusiasmus gegenüber Polen deutlich zum Ausdruck. Dank seiner slowenischen Herkunft beherrschte Wurzbach sehr schnell die polnische Sprache. Er wurde Professor für Philosphie in Lemberg. Er veröffentlichte eine Sammlung polnischer Sprichwörter, die er historisch erläuterte und übersetzte u.a. den Roman von J. I. Kraszewski „Der Dichter und die Welt” [Originaltitel: „Poeta i świat”] aus dem Polnischen ins Deutsche. Er arbeitete bei deutschsprachigen Zeitungen, die im galizischen Lemberg erschienen. Wurzbach verbrachte in Galizien insgesamt knapp 11 Jahre und befasste sich fast sein ganzes Leben lang mit der Beschaffung von Informationen zu bekannten und anerkannten Persönlichkeiten der k. u k. Monarchie. Von 1856 bis 1891 veröffentlichte er 60 Bände seines berühmten Werkes mit dem Titel „Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich”. Prof. Röskau-Rydel bemerkte auch sehr treffend, dass Constant von Wurzbach eine riesige Leistung für die Nachkommen erbrachte, für die er weder zu seinen Lebenszeiten noch später entsprechend gewürdigt wurde.

Danach ergriff Frau Prof. Marija Wakounig das Wort und äußerte sich kurz und sachlich zum Vortrag ihrer Vorrednerin. Die Koreferentin machte auf Wurzbachs Leistungen als Statistiker aufmerksam, der bei der Erfassung der Lebensdaten von für die Monarchie bedeutenden Persönlichkeiten eine wichtige Rolle spielte. Weniger bedeutsam hingegen ist sein Stellenwert als Biograph. Der von ihm erstellte wissenschaftliche Apparat war leider ziemlich oft von fraglicher Qualität. Prof. Wakounig bezeichnete  Wurzbach als einen „vernetzten Biographen”, da er, wie kein anderer Mensch zu jener Zeit, über ein umfassendes Wissen über viele für das Leben der Monarchie bedeutende Personen verfügte. In seinen Kurzbiografien kamen nicht selten ungeprüfte Informationen vor oder, so Prof. Wakounig, sogar Gerüchte. Die Koreferentin lieferte Informationen zur Herkunft sowie zum Familienleben von Wurzbach als Hintergrund seiner Tätigkeit, die deutlich zeigen, dass Constant von Wurzbach sich stark nach Erfolg und Anerkennung sehnte und sein ganzes Leben danach strebte. Trotz der Tatsache, dass viel gegen das biographische Werk von Wurzbach einzuwenden sei, kann man ihm einen gewissen historischen und statistischen Wert nicht absprechen.

Die nun folgende Diskussion zeigte, dass sich auch heute viele Menschen des Werkes von Constant von Wurzbach bedienen und sein Verfasser bis heute Meinungsverschiedenheiten hervorrufen kann. Der Abend klang bei einem gemeinsamen Glas Wein im Rittersaal aus, wo noch lange interessante Gespräche und Diskussionen geführt wurden.

 Kornelia Wróbel

Photos: Malwina Talik

Logo de kolor300DPI

 

Kontakt

Polnische Akademie der Wissenschaften - Wissenschaftliches Zentrum in Wien
Boerhaavegasse 25

1030 Wien - Österreich
Telephon: + 43 1 713 59 29

Fax: + 43 1 713 59 29 550
Mail: office@viennapan.org 
Impressum

 

Termine

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31

Anfahrt

© 2016 PAN - All Rights Reserved
DMC Firewall is a Joomla Security extension!