"Eine Fahrt ins Ungewisse" - Reiseerfahrungen galizischer MigrantInnen nach Südamerika

Mag. Elisabeth Janik

Geschichte und Kultur Galiziens faszinieren bis heute, obwohl das österreichische Galizien von der politischen Landkarte Europas bereits vor fast 100 Jahren verschwand. Auch aus diesem Grund veranstaltet das Polnische Akademie der Wissenschaften – Wissenschaftliches Zentrum in Wien in Zusammenarbeit mit dem Doktoratskolleg (DK) "Das österreichische Galizien und sein multikulturelles Erbe" (Universität Wien) eine Galizien gewidmete Veranstaltungsreihe.

Die erste Veranstaltung dieser Reihe fand am 31. März 2015 im Sobieski-Saal des Wissenschaftlichen Zentrums statt. Thema dieser Veranstaltung war die galizische Migration nach Südamerika an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Vortragende war Frau Mag. Elisabeth Janik. Ihr Referat wurde anschließend von Frau Ass.-Prof. Dr. Annemarie Steidl, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, kommentiert. Die Direktorin des Zentrums, Frau Dr. Anna Ziemlewska, hieß die Gäste herzlich willkommen, sie moderierte die Veranstaltung. In ihrer kurzen Einführung wies sie auf die Notwendigkeit der Galizienforschung hin. Galizien als europäische Region Europas wäre zwar seit dem Zerfall der Habsburgermonarchie verschwunden, es sei aber sowohl im kollektiven Bewusstsein als auch im öffentlichen Diskurs nach wie vor stark präsent, so Dr. Ziemlewska.

Mag. Janik begann ihren Vortrag mit der Feststellung, dass Galizien heute zumeist positive Assoziationen hervorruft, Ende des 19. Jahrhunderts jedoch ein Ort gewesen wäre, von dem aus man massenhaft emigrierte. Die galizische Migration nach Nordamerika wurde wissenschaftlich genau untersucht, der Emigration nach Südamerika wurde jedochbis dato viel weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Frau Mag. Janik referierte auch über Zielländer und Gründe der Emigration, das Leben und die Lebensbedingungen auf den Schiffen sowie über die Erinnerungen der Migranten, die in Form von Memoiren veröffentlicht wurden und in Polen viel gelesen wurden.

Nach dem Vortrag von Frau Mag. Janik ergriff Frau Prof. Steidl das Wort. Sie ging auf die Migrationstendenzen der Habsburgermonarchie zu dieser Zeit ein. Sie wies darauf hin, dass andere europäische Staaten wie Preußen, Dänemark oder Schweden unter den galizischen Migranten viel beliebter gewesen als Nord- und Südamerikawären. Sie wies auch auf mögliche Quellen (Statistiken, Passagierlisten, Tagebücher) sowie auf deren (Un)Zuverlässigkeit hin. Die Koreferentin unterstrich, dass die außereuropäische Migration dank der erhaltenen Passagierlisten sowie der Registrierungslisten in den Häfen der Zielländer viel einfacher zu erforschen wäre als die innereuropäische Migration. Um diese zu erforschen würde man sich der Kirchenmatriken bedienen, die die Migrationsziele der jeweiligen Gemeindemitglieder verzeichneten.

Nach den beiden Referaten wurden seitens des Publikums zahlreiche Fragen gestellt, u.a. danach, inwieweit auch Frauen emigrierten, nach dem prozentuellen Anteil der Migranten verschiedener Ethnien, nach deren finanzieller Situation sowie nach den Methoden, wie sie das Geld für ihre Reise bekamen.

Nach dem offiziellen Teil wurde die Diskussion bei einem Gläschen Wein im Rittersaal noch lange fortgesetzt..

Die nächste Veranstaltung dieser Galizien gewidmeten Veranstaltungsreihe, die dreitägige Konferenz „Galizien in Bewegung“ vom 21. bis zum 23. Mai 2015 wird vom Galizienkolleg, dem Wissenschaftlichen Zentrum der PAN und dem Wien Museum organisiert.

Malwina Talik

 

fot.: Malwina Talik

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