Theodor Leschetizky. Pianist, Komponist sowie einer der herausragendsten Klavierpädagogen in der Musikgeschichte

Univ.-Prof. Dr. Elżbieta Wiedner-Zając

Am 18. Mai 2015 hielt Prof. Elżbieta Wiedner-Zając im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien einen Vortrag über den Pianisten Komponist und Klavierpädagogen Theodor Leschetizky.  i Dieser Vortragsabend wurde vom Zentrum sowie dem Klub der Professoren am Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien, dessen Vorsitzende Prof. Elżbieta Wiedner-Zając von 2009 bis 2013 war, organisiert. Mgr Joanna Ziemska, die derzeitige Vorsitzende des Klubs, begrüßte zu Beginn des Abends die zahlreich erschienenen Gäste und stellte die Referentin vor.

Diese stellte in ihrem Vortrag die Biographie und das musikalische Schaffen des Protagonisten des Abends vor. Theodor Leschetizky wurde am 22. Juni 1830 in Łańcut geboren. Sein erster Klavierlehrer war sein aus Böhmen stammender Vater, der selbst wiederum Schüler von Carl Czerny in Wien war. Der Vater von Leschetizky arbeitete als Musiklehrer für Graf Alfred Potocki auf dem Schloss in Łańcut, seine Mutter stammte aus Polen.

Im Alter von neun Jahren spielte Leschetizky mit dem Orchester von Czerny sein erstes Konzert in Lemberg. Ein Jahr später zog die Familie des Komponisten nach Wien. In der Stadt der Wiener Klassik nahm Leschetizky beim Lehrer seines Vaters Carl Czerny Musikunterricht. Simon Sechter erteilte dem jungen Theodor Kompositionsunterricht. Kaum vierzehn Jahre alt begann Leschetizky selbst zu unterrichten, In Wien komponierte er auch seine erste Oper, „Die Brüder von San Marco”, die jedoch unvollendet blieb.

Im Jahr 1852 übersiedelte Leschetizky nach Russland, wo er sich mit Anton Rubinstein, Konzertmeister am Hof der Schwester des russischen Zaren Nikolaus I. Romanow, der Großfürstin Helena, anfreundete. 1878 - Leschetizky hatte bereits zahlreiche Kompositionen vorzuweisen - kehrte er nach Wien zurück, wo er besonders mit seinem Freund Johanns Brahms viel Zeit verbrachte. Fünf Jahre später komponierte er seine zweite Oper „Die erste Falte”, die in Mannheim uraufgeführt wurde.

Er begann immer seltener öffentlich aufzutreten und widmete seine Zeit mehr und mehr seinen Schülern, ohne dabei, seinen eigenen Worten zufolge, einer einheitlichen Methode zu folgen. Vielmehr ging es ihm darum, seinen Schülern zu vermitteln, „wie sie sich das jeweilige Musikstück aneignen sollten.“ Zu den wichtigsten Grundsätzen Leschetizkys gehörten Detailgenauigkeit, Genauigkeit, Fleiß sowie vor allem auch die Konzentration auf die eigenen Gedanken. Ignacy Paderewski schreibt: „Ich konnte viel von Leschetizky lernen (…), ich lernte, wie man richtig arbeiten sollte, was für jeden Künstler das Wichtigste ist. Die Methode von Leschetizky war sehr einfach. Seine Schüler lernen, wie man dem Instrument einen schönen Klang entlockt und wie man Musik macht, keinen Lärm. Eine seiner Schülerinnen, Annette Hullah, stellte fest, dass ihr Lehrer von ziemlich „robuster Natur“ wäre. Der Salon Leschetizkys war von lernbegierigen Schülern stets gut besucht, er selbst war, abgesehen von einigen wenigen Stunden Schlaf, stets „frisch und arbeitseifrig". Leschetizky war auch von impulsiver Natur. In einem Brief an seinen Freund, den Advokaten Dr. Hans Vaniczek, schrieb er im Hinblick auf Probleme mit den ihm vorgeschriebenen Steuern: „Ich bin in wütender Stimmung und habe Lust, alle Schüler zum Teufel zu jagen..”

Die letzten Lebensjahre von Leschetizky waren von erheblichen gesundheitlichen Probleme geprägt. Trotz zahlreicher Aufenthalte in Sanatorien und Kurorten erlag er am 14. November 1915 seinen Leiden. Er wurde am Zentralfriedhof in Wien beerdigt.

Während seiner über 60 Jahre währenden Lehrtätigkeit unterrichtete er an die 1.200 Schüler, u.a. Ignacy Jan Paderewski und Mark Hambourg. Theodor Leschetizky komponierte über 1000 Werke und gab zahlreiche Konzerte. Im Jahr 1932 wurde eine Gasse in Wien-Währing nach ihm benannt.

Sein langjähriger Freund, der Wiener Gerichtsadvokat, Dr. Hans Vaniczek, war auch Leschetizkys privater Finanzberater, der ihn in kritischen Situationen oft unterstützte. Die umfangreiche Korrespondenz zwischen Leschetitzky und Vaniczek befindet sich heute im Familienbesitz von Dr. Dorothea, Urenkelin von Vaniczek, und Dr. Heinz Schreiber in Wien. Letzterer verlas einige Passagen aus den Briefen Leschetitzkys an Vaniczek.

Während des Vortrags konnten sich die Zuhörer aufgrund zahlreicher Musikbeispiele auch einen Eindruck vom musikalischen Schaffen Leschetizkys verschaffen.

Nach dem Vortrag stellte das Publikum in einer lebhaften Diskussion zahlreiche Fragen nach weiteren Einzelheiten zu Leben und Werk dieses zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenen Komponisten und Pianisten.

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