Vergleich der deutschsprachigen Prosa von Hamid Sadr (Österreich) und SAID (Deutschland)

Dr. Anna Dąbrowska

Am  26. Jänner 2016 fand im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien ein Vortrag zum Thema „Vergleich der deutschsprachigen Prosa von Hamid Sadr (Österreich) und SAID (Deutschland)“ statt, der von Dr. Anna Dąbrowska gehalten wurde.
Die zahlreich erschienenen Gäste hieß Prof. Dr. Bogusław Dybaś, der Direktor des Zentrums, herzlich willkommen. Er wünschte allen ein gutes neues Jahr und stellte anschließend kurz die Referentin vor. Dr. Anna Dąbrowska ist Germanistin, Literaturwissenschaftlerin und Dozentin an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Im Rahmen mehrerer Stipendien hält sie sich  immer wieder in Österreich auf. Längere Zeit war sie auch für die Österreich-Bibliothek in Krakau verantwortlich.
Der Vortrag begann mit der Präsentation beider Schriftsteller. Dr. Anna Dąbrowska wies darauf hin, dass sich trotz unübersehbarer Ähnlichkeiten wie das gleiche Herkunftsland oder ein vergleichbares Alter der Schreibstil beider Autoren weitgehend voneinander unterscheiden würde. Während Hamir Sadr beim Schreiben eher eine intellektuelle Herangehensweise bevorzugt und gründlich recherchiert, beschreitet SAID den poetisch-ästhetischen Weg. Im Schaffen beider Schrifststeller sind drei Themenkreisen besonders präsent: die Bezugnahme auf ihr Herkunftsland, die Auseinandersetzung mit dessen Kultur sowie die Begegnung mit der iranischen und österreichischen bzw. deutschen Lebensrealität. Die Referentin unterstrich, dass sowohl Sadr als auch SAID oft vorschnell und verallgemeinernd der Immigrantenliteratur zugeordnet werden, wenngleich zweifelsohne  Schwierigkeiten mit dem Spracherwerb oder das schwierigen Einleben in die europäische Kultur  häufig thematisiert werden. Eine solche Herangehensweise übersieht zu Unrecht  andere, oft wesentlichere Aspekte ihres schriftstellerischen Werks. Folgerichtig war es ein Anliegen von Dr. Dąbrowska, in ihrem Vortrag vor allem jene Aspekte ihres Schaffens zu thematisieren, die als universell oder europäisch gelten können und oft übersehen werden. Als Beispiel führte sie den Holocaust an, der in den Werken beider Schriftsteller häufig zur Sprache kommt, was der mitunter geäußerten Behauptung, Immigranten aus Ländern außerhalb Europas könnten Probleme wie den Holocaust oder den Nationalsozialismus nicht wirklich erfassen, entgegensteht. Dr. Dąbrowska betonte auch, dass Immigranten keineswegs eine homogene Gruppe bilden und ihre Werke nicht ausschließlich vor dem Hintergrund ihrer Herkunft rezipiert werden sollten. Der Umstand, aus einem nichteuropäischen Kulturkreis zu stammen, würde keinesfalls bedeuten, dass die Erkenntnisse der europäischen Kultur verschlossen bleiben müssten.
Im Anschluss an den Vortrag hatten die interessierten Gäste Gelegenheit, Fragen an die Referentin zu richten. Der Abend klang bei einem gemeinsamen Glas Wein im Rittersaal aus.

Jakub Rożdżyński

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