Die Entstehung Polens und die Taufe von Mieszko I. im Jahr 966

Univ.-Prof. Dr. habil. Tomasz Jasiński

Am 10. März 2016 fand im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien der Vortrag von Prof. Dr. habil. Tomasz Jasiński „Die Entstehung Polens und die Taufe von Mieszko I. im Jahr 966“ statt. Der Direktor des Zentrums, Univ.-Prof. Dr. Bogusław Dybaś, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, stellte den beruflichen Werdegang des Referenten vor und äußerte sich anerkennend über dessen bisherige Aktivitäten. Prof. Dr. habil. Tomasz Jasiński ist Historiker und Mediävist. Er ist Professor an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań und Direktor der Kórnik-Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Der Vortrag begann mit einer kurzen Einführung von Dr. Patrice Dabrowski, deren Buch das Motto der heutigen Vorlesung darstellte. Dr. Dabrowski unterstrich, dass einige Epochen der Geschichte Polens, vor allem die ältesten, von der Wissenschaft oft vernachlässigt wurden. Die 950. Wiederkehr der Christianisierung Polens stellt einen guten Zeitpunkt dar, sich neuerlich die Bedeutung dieser Zeit vor Augen zu führen.

Prof. Dr. habil. Jasiński führte zu Beginn seines Vortrags in die Anfänge des polnischen Staates ein, um den sich zahlreiche Mythen ranken. Er stellte einige Dokumente vor, denen ein Bild der slawischen Völker, die zur damaligen Zeit im einstigen Polen bewohnten, zu entnehmen war. Zahlreiche Volksstämme und kleinere Gruppen haben sich durchaus nicht freiwillig zu einem Staatsgebilde zusammengeschlossen. Der erste Staat entstand durch mehrere Eroberungen. Er umfasste ein relativ kleines Gebiet mit nur einigen wenigen Städten und Burgen im Osten des heutigen Großpolens. Aufgrund der zunehmenden Gefahr seitens anderer Volksstämme, allen voran der Wilzen, einer Gruppe sorbischer Westslawen, entstand die Notwendigkeit, strategische Bündnisse zu schließen. Das wichtigste Bündnis, das dem polnischen Staat sich zu etablieren erlaubte, war jenes mit dem römisch-deutschen Kaiser Otto I. dem Großen. Das Bündnis sah auch vor, das Polen christianisiert und sein Herrscher getauft würde. Die Geschichte betrachtet die Taufe des polnischen Fürsten, Mieszko I. als den Beginn Polens, wobei deren genaues Datum und umso mehr deren Verlauf, weitgehend unklar sind. Es gibt keinerlei Urkunden, die die Zeit und den Ort der Taufe bestätigen könnten. Für letzteres kommen vor allem Regensburg und Posen in Frage. Ansonsten sind lediglich Dokumente vorhanden, die lange nach dem Geschehen entstanden und die Taufe Polens in sehr unterschiedlichem Lichte erscheinen lassen. Meistens lassen sie jedoch an Glaubwürdigkeit zu wünschen.

Der Vortrag zeigte die Komplexität des Entstehungsprozesses Polens sowie auch, wie viele Ereignisse und Datierungen in der Geschichte nur symbolisch verstanden werden können und daher kontinuierlicher Diskussion und unaufhörlichen Versuchen, die Wahrheit zu ergründen, unterworfen werden müssen.

Im Anschluss an den Vortrag trugen zahlreiche Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum zu einer regen Diskussion bei. Abschließend dankte Prof. Bogusław Dybaś den Gästen für ihre Teilnahme und lud alle herzlich ein, die interessanten Gespräche bei einem Glas Wein fortzusetzen.

Jakub Rożdżyński

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