Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Neue Forschungsprojekte in Österreich und Polen

Konferenz

Die Konferenz "Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Neue Forschungsprojekte in Österreich und Polen" fand von 26. bis 27. September 2016 unter dem Ehrenschutz des Botschafters der Republik Polen in Österreich, Herrn Mag. Artur Lorkowski, im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie in Wien statt. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften organisiert.

Die zahlreich erschienenen Gäste wurden am ersten Konferenztag vom Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie in Wien Prof. Bogusław Dybaś begrüßt. Anschließend begrüßten auch Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Großegger, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Dr. Kurt Scholz, Zukunftsfonds der Republik Österreich, und Botschaftsrätin Monika Szmigiel-Turlej, Botschaft der Republik Polen in Wien, die Gäste.

Das erste Panel "Transformationen der Erinnerungskultur in Polen und Österreich" wurde von Prof. Dybaś moderiert. Im ersten Panel sprachen Sławomir Buryła, Professor am Institut für Polnische Philologie und Logopädie an der Universität Ermland-Masuren, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau, und Heidemarie Uhl, Historikerin am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien und Graz.

In seinem Referat "Die Darstellung des Holocaust in der polnischen Kultur (1939-2015)" referierte Prof. Buryła über den Holocaust in der polnischen Kulturwissenschaft und Literaturwissenschaft. Er berichtete auch über das Projekt „Die Darstellung des Holocaust in der polnischen Kultur“ sowie über die Fortsetzung der mehrbändigen Publikation "Polnische Literatur angesichts des Holocaust (1939-1968)". Heidemarie Uhl sprach in ihrem Vortrag zum Thema "Die Transformationen des Holocaust-Gedenkens in Österreich über die Transformation des österreichischen Gedächtnisses in Jahren 1938-1945". Nach 1945 war die Erinnerung an die Ermordeten eine Leerstelle im öffentlichen Raum, so Prof. Uhl. Die Errichtung des Holocaust–Denkmals am Judenplatz symbolisiert Veränderungen und Mitverantwortung für Genozide und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Das nächste Panel – „Neue Forschungen zu nationalsozialistischen Ghettos und Konzentrationslagern I“- moderierte Ljilijana Radonić, Österreichische Akademie der Wissenschaften. Adam Sitarek, Mitarbeiter am Institut für Nationales Gedenken/Łódź sowie am Center for Jewish Research an der Universität Łódź, sprach in seinem Referat "Die Versorgung des Lagers ist angeblich vorbildlich. Das Wissen der Häftlinge des Ghettos Litzmannstadt über das Vernichtungslager Kulmhof" über das Ghetto von Litzmannstadt, in dem über 160.000 Menschen inhaftiert waren.

Prof. Michaela Wolf, Universität Graz, referierte, in ihrem Referat "Du musst sehr schnell Deutsch lernen, so schnell du kannst" über die Dolmetschen im Konzentrationslager von Mauthausen, das Problem der Sprachenvielfalt in den Lagern und im Anschluss daran auch über die Rolle der Dolmetscherinnen, die auch Häftlinge waren.

Georg Holzinger, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Archivs der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, stellte das vergessene Thema – "Neue Forschungsergebnisse zu den Täterinnen im KZ Mauthausen" - dar.

Das Panel "Die Erfahrung des Holocaust in Literatur und Selbstzeugnissen" wurde von Ursula Mindler-Steiner moderiert.

Anna Dąbrowska, Germanistin an der Jagiellonen-Universität, sprach über die Geschichte "Die Vogelwelt von Auschwitz" und den Roman "Der Vogelsammler von Auschwitz". Dorota Sula, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsabteilung des Museums in Gross–Rosen, stellte im Referat "Am Rande des Lebens und des Todes. Lagererfahrung im Tagebuch von Abraham Kajzer" dessen Erfahrungen dar.

Anschließend wurde der Dokumentarfilm "Linie 41" gezeigt. Auf die Filmvorführung folgte eine Diskussion mit Tanja Cummings, der Regisseurin des Films und Jens- Jürgen Ventzki, einem der Hauptdarsteller des Films.

Das Panel "Neue Forschungen zu nationalsozialistischen Ghettos und Konzentrationslagern II" wurde von Birgit Johler vom Ethnographischen Museum in Wien moderiert. Walter Manoschek, Professor für Politikwissenschaft an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Wien und Thomas Pawłowski, Universität Wien, hielten ein Referat über "Ghettogesellschaft. Überlebensstrategien österreichischer Juden in den Ghettos des Distrikts Lublin und Radom im Generalgouvernement 1941/1945". Andrzej Czyżewski, Institut für Nationales Gedenken/Łódź, sprach im Referat "Die Geschichte des Polen-Jugendverwahrlagers der Sicherheitspolizei in Litzmannstadt als Element der Erinnerungspolitik der Volksrepublik Polen", über das Polen-Jugendverwahrlager in der ul. Przemysłowa.

Monika Tomkiewicz, Institut für Nationales Gedenken/Gdańsk, berichtete über "Das Zwangsarbeitslager Provenischken – ein Außenlager des Konzentrationslagers in Kaunas" über das Arbeitslager in Provenischken, wo sich von 1939 bis 1941 eine Strafanstalt befand. Aleksandra Namysło, Koordinatorin eines Projektes des Instituts für Nationales Gedenken zur Erstellung eines Index verfolgter und ermordeter Polen/Katowice, sprach im Referat "Repressionen gegenüber polnischen Bürgern, die während des Zweiten Weltkrieges Juden halfen - Resultate des Forschungsprojekt des Instituts für Nationales Gedenken" über dieses Projekt. Sie stellte Konzepte, Methodologie und Ergebnisse des Forschungsprojektes vor.

Das Panel "Marginalisierte Opfergruppen" wurde von Johann Kirchknopf, Universität Wien, moderiert. Piotr Chruściel, Museum Stutthof in Sztutowo, sprach im Referat "Der Paragraph 175 aus der Perspektive der im KL Stutthof erhalten gebliebenen Dokumente" über die Situation der Homosexuelle, die von den Nationalsozialisten systematisch verfolgt wurden. Alexander Prenninger, Ludwig Boltzmann-Institut für historische Sozialwissenschaft, Wien-Salzburg, stellte die Problematik "kriminell" und "asozial" in seinem Referat "Vergessene Opfer: "Kriminelle" und "asoziale" Häftlinge in der Lagergesellschaft des KZ Mauthausen – oder Zur Langlebigkeit von Vorurteilsdiskursen in europäischen Gesellschaften" dar. Ljiljana Radonić, Österreichische Akademie der Wissenschaften, die an ihre Habilitationsschrift arbeitet, stellte in ihrem Referat "Den Roma-Genocid ausstellen: "Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma" im Staatlichen Museum Auschwitz – Birkenau" die den Sinti und Roma gewidmeten Ausstellungsbereich dar.

Das Panel "Vermittlungs–Projekte" wurde von Gudrun Blohberger, KZ Gedenkstätte Mauthausen, moderiert. Joanna Orłoś, Projekt des Europäischen Netzwerks Erinnerung und Solidarität in Warschau, stellte das Projekt "Sound and the Silence", das sich an Jugendliche aus der ganzen Welt richtet, dar. Sie sprach auch über die Schwierigkeiten bei der Vorbereitung des Projektes für die internationale Rezipienten. Andreas Kranebitter, KZ Gedenkstatte Mauthausen, stellte die Ergebnisse des Projektes "Das Gedenkbuch für die Toten des KZ Mauthausen in internationaler Perspektive" dar, in dessen Rahmen 1800 Biographien gesammelt wurden.

Das Panel "Museumsausstellungen" wurde von Monika Sommer, Europäisches Forum Alpbach, moderiert.

Anna Ziębińska–Witek, Historikerin am Institut für Kulturwissenschaft an der Maria-Curie-Skłodowska-Universität, sprach im Referat "Opfer, Täter und Zeugen des Holocaust aus der Perspektive von Museumausstellungen" über die Vorbereitung der Ausstellung und die Schwierigkeiten, wie man den Holocaust darstellen kann. Marta Zawodna–Stephen, Adam-Mickiewicz-Universität in Posen, sprach im Referat "Über Postlagerraume bzw. Postlagergelande in den ehemaligen Konzentrationslagern Auschwitz und Kulmhof. Zwischen Sacrum und Profanum" darüber, wie mit den sterblichen Überreste der Opfer umgegangen wurde. Sie erklärte auch, warum Auschwitz bekannter als Kulmhof ist.

An der Konferenz nahmen 19 Referenten aus Polen und Österreich teil. Die Themen war differenziert, aber der wichtigste Punkt der Konferenz war der Dokumentarfilm Linie 41. Der Film dokumentiert die Rückkehr eines Überlebenden des Lodzer Ghettos ins heutige Łódź.

Joanna Brzegowy

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