Weltkriege als polnische Erfahrung

Univ.-Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej

Am 28. November 2016 fand im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien ein Vortrag zum Thema "Weltkriege als polnische Erfahrung" statt, der von Univ.-Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej gehalten wurde.

Prof. Dybaś hieß die zahlreich erschienenen Gäste herzlich willkommen und stellte den Referenten des Abends vor. Prof. Włodzimierz Borodziej, Verfasser der Publikationen "Terror i polityka. Policja niemiecka a polski ruch oporu w GG 1939–1944" [Terror und Politik. Die deutsche Politik und die polnische Widerstandsbewegung im Generalgouvernement] sowie "The Warsaw Uprising of 1944", ist Historiker an der Universität Warschau und einer der beiden Direktoren des Imre Kertesz Kollegs in Jena. Seine Forschungsinteressen gelten insbesondere der polnischen Geschichte sowie der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Prof. Borodziej versuchte in seinem Vortrag die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Weltkriegen und deren Einfluss auf Polen aufzuzeigen. Zu Beginn zeigte er zwei Bilder, das Gemälde "Die Entwaffnung der Deutschen in Warschau" von Stanisław Bagiński sowie ein Foto aus dem Jahr 1939, das die Ruinen des Altstädter Markts in Warschau zeigt. Das erste Gemälde bezieht sich auf das Jahr 1918 verbunden, als demoralisierte deutsche Armeeangehörige selbst ihre Waffen abgaben und einzig den Wunsch hatten, nach Deutschland zurückzukehren. Daran waren junge Menschen, Pfadfinder und Zivilisten beteiligt. Das Foto hingegen stellt ein Symbol für den Zweiten Weltkrieg dar. Warschau wurde nach dem Warschauer Aufstand de facto dem Erdboden gleichgemacht. Die jungen Menschen, die Ende des Ersten Weltkriegs den Deutschen die Waffen abgenommen hatten, ließen zwanzig Jahre später im Kampf gegen die die deutschen Besatzer ihr Leben.

Ein weiteres Thema des Vortrags war die seitens der deutschen Besatzer befohlene Bevorzugung bestimmter Gruppen. Ein Foto, das eine Bank mit der Aufschrift ,,Nur für Deutsche“ zeigt, verdeutlichte dies. Aufgrund des kriegsbedingen Fehlens von männlichen Arbeitskräften begannen im Ersten Weltkrieg auch Frauen in großem Maßstab zu arbeiten. Die beiden Weltkriege brachten auch die Zerstörung von Städten, Massenemigration und Antisemitismus mit sich.

Der Vortrag von Professor Borodziej war eine bemerkenswerte Darstellung über historische Ereignisse, der durch zahlreiche Abbildungen illustriert wurde, und mit einem pessimistischen Resümee endete. Das letzte Foto zeigte Warschauer Aufständische inmitten von Ruinen, auf denen die Aufschrift ,,Wyjścia nie ma“ zu lesen war, was auf zweierlei Art interpretiert werden kann: „Es gibt keinen Ausweg/Ausgang“ im Sinne einer hoffnungslosen Situation oder aber so, als käme man nicht darum herum, etwas Bestimmtes zu machen. Beide Bedeutungen spiegeln hervorragend die Situation der Polen in den beiden Weltkriegen wider.

Auf den Vortrag folgte eine interessante Diskussion, in deren Verlauf zahlreiche Fragen an den Referenten gestellt wurden. Abschließend dankte Univ.-Prof. Bogusław Dybaś den Gästen für ihre Teilnahme und lud alle herzlich ein, die interessanten Gespräche bei einem Glas Wein fortzusetzen.

Joanna Brzegowy

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