Das toponymische Erbe der Habsburgermonarchie in Galizien

Mag. Wojciech Włoskowicz

Am 6. April 2017 hielt Mag. Wojciech Włoskowicz im Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien einen Vortrag zum Thema "Das toponymische Erbe der Habsburgermonarchie in Galizien". Dr. Przemysław Nowak, stellvertretender Direktor des Zentrums, begrüßte die anwesenden Gäste und stellte den Vortragenden vor. Mag. Wojciech Włoskowicz ist Absolvent des Instituts für Angewandte Linguistik der Universität Warschau, wo er auch seine Magisterarbeit zum Thema „Österreichisch-ungarische Militärterminologie als Translationsproblem“ verfasste. Seit 2013 ist er Dissertant am Institut für Slawistik der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Seine Hauptforschungsbereiche umfassen Toponomastik, Semantik sowie Terminologielehre und Übersetzungstheorie. Im Rahmen seines Dissertationsprojekt erforscht er am Beispiel der „polnischen“ Toponymie des Huzulenlandes die Mechanismen, die den toponymischen Sprachgebrauch formen. Ein Stipendium des Polnischen Nationalen Wissenschaftszentrums „Etiuda“  führte ihn u.a. auch an das Institut für Slawistik der Universität Wien.

In seinem Vortrag wies der Vortragende auf den Umstand hin, dass sich während der habsburgischen Herrschaft in Galizien allmähliche eine moderne Verwaltung entwickelte. Damit einher gingen umfangreiche Projekte wie die Erstellung eines Katasters, was in der Folge zur Entstehung der ersten detaillierten topographischen Karten diser von Österreich besetzten Gebiete führte, zur sogenannten Miegkarte. Die gesamte Region wurde dreimal genau vermessen, wobei die dritte Landesaufnahme die Grundlage für eine topografische „Spezialkarte“ war, die insbesondere in der Zwischenkriegszeit des  20. Jahrhunderts eine wichtige Quelle für polnische Institutionen und Reisende war. Während der habsburgischen Herrschaft in Galizien kam es zu keinen allzu großen toponymischen Benennungen bzw. Umbenennungen. Ortschaften wurden nicht umbenannt, geographische Bezeichnungen wurden nicht verdeutscht. Viele Toponyme, die bis zu diesem Zeitpunkt von der lokalen Bevölkerung verwendet wurden, wurden aufgrund allgemein erhältlicher Karten, wenngleich oft verfälscht, weiteren Kreisen bekannt.

Die Errungenschaften und Leistungen der österreichisch-ungarischen Kartographie wurden in der Zwischenkriegszeit vom Militärgeographischen Institut in Warschau als Grundlage zur Schaffung geographischer Bezeichnungen genutzt, die bei den nach dem Zweiten Weltkrieg geprägten Bezeichnungen auf militärischen Karten verwendet wurden. Besonders wichtig erwiesen sich die während der Habsburgerherrschaft erstellen Karten für das südöstliche Polens nach den erzwungenen Aussiedlungen im Rahmen der Operation „Weichsel“.

In seinem Vortrag sprach Wojciech Wloskowicz auch über das Regelwerk zur Sammlung und zur Bearbeitung toponymischer Begriffe der k.und k. Topographen sowie über die österreichisch-ungarische Sprachenpolitik in Bezug auf Ortsbezeichnungen in der Kartographie. Er erörterte auch die Vorschriften und Regeln der Verwendung österreichischer Quellen durch polnische Topographen. Mitunter kam es zu Namensverfälschungen infolge des Abschreibens älterer Karten. Der Referent betonte auch die Bedeutung österreichischer Karten und Katasterstudien in der Onomastikforschung.

Der Vortrag wurde wurde mit großem Interesse aufgenommen, im Laufe der darauffolgenden Diskussion wurden viele Fragen an den Referenten gestellt.

Lidia Gerc
(Übersetzung: Krystyna Heger)

 

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