Rom außerhalb der Grenzen des Reiches. Siebzehn Jahre (1997-2013) polnische archäologische Forschung auf der Krim

Prof. Tadeusz Sarnowski

Am 11. Mai 2017 referierte Prof. Tadeusz Sarnowski in der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien über „Rom außerhalb der Grenzen des Reiches. Siebzehn Jahre (1997-2013) polnische archäologische Forschung auf der Krim”.

Der Direktor des Zentrums, Prof. Bogusław Dybaś, hieß die zahlreich erschienenen Gäste herzlich willkommen und stellte den Referenten des Abends vor. Tadeusz Sarnowski (*09. Oktober 1945 in Kapstadt, Südafrika) ist ein polnischer provinzialrömischer Archäologe. Von 1958 bis 1962 besuchte er das Gymnasium in Żołynia, Südpolen, wo er 1962 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er bis 1969 an der Universität Warschau Mittelmeer- und Provinzialrömische Archäologie, Alte Geschichte und Afrikanistik. Von 1970 bis 1974 absolvierte Sarnowski ein Promotionsstudium im Fach Klassische Archäologie und promovierte 1975 in Warschau mit einer Arbeit über die Villadarstellungen auf  spätrömischen Mosaiken aus Nordafrika. Nach der Habilitation 1988 über das römische Heer an der unteren Donau und im Norden des Schwarzen Meeres war Sarnowski zunächst seit 1990 als Nachfolger seines Lehrers Kazimierz Majewski außerordentlicher Professor und von 2002 bis zu seiner Emeritierung im Januar 2016 ordentlicher Professor für Provinzialrömische Archäologie am Archäologischen Institut der Universität Warschau. Größere Forschungsvorhaben, an denen Sarnowski meist als Direktor beteiligt war bzw. immer noch ist, sind die Grabungen von Novae (Legionslager an der unteren Donau, Bulgarien) und von Balaklava (Römische Militärstation und Wachttürme, Krim) mit dem ländlichen Gebiet von Chersonesus Taurica. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Militär-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte des unteren Donauraumes und der Griechenstädte der nördlichen Schwarzmeerküste zur Römerzeit sowie der Ikonographie der römischen Mosaiken aus den nordafrikanischen Provinzen des Römischen Reiches. Sarnowski ist korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts und Mitherausgeber der Zeitschriften Archeologia und Światowit.

Während des Vortrags präsentierte Prof. Sarnowski die Ergebnisse der polnischen archäologischen Forschung auf der Krim aus der Zeit von 1997-2013. Er stellte die Geschichte der Arbeit der Archäologen  der Universität Warschau und deren Kollegen aus dem Museum der Taurischen Chersonesos im Gebiet von Großsewastopol vor. Die Arbeiten in diesem Gebiet bestanden oft in der Rettung des reichen archäologischen Erbes der römischen Zeit vor der drohenden Zerstörung. Die Feldforschungen wurden hauptsächlich in der Grenzzone des ländlichen Gebietes der griechischen Kolonie Chersonesus Taurica durchgeführt. Untersucht wurden dabei das Heiligtum des Iupiter Dolichenus und Kastell von Balaklawa, römische Wachttürme und Gutshöfe römischer Zeit, aber auch das Inschriftenmaterial und Ziegelstempel aus dem Kastell Charax und anderen Garnisonsorten des römischen Heeres auf der Krim. Prof. Sarnowski rief auch kurz in Erinnerung, dass es im Jahr 1996 nicht nur für die Krimbewohner zur Öffnung der verschlossenen, „verbotenen” Stadt Sewastopol kam, sondern auch für alle Ukrainer und Nichtukrainer. Achtzehn Jahre später, im Frühjahr 2014, kam es zum Anschluss der Krim sowie der Stadt Sewastopol an Russland.

Während seines Vortrags zeigte Prof. Sarnowski eineFotodokumentation, luftbildarchäologische Kartierungen und geomagnetische Messungen. Viele davon entstanden unter seiner Leitung. Er zeigte auch einige epigraphische Texte, Ziegelstempel und die wesentlichen Komponente unterschiedlicher Gebäude vor, die während der Grabungsarbeiten in der Zeit von 1997 und 2013 zutage kamen. Um die entdeckten Gebäude besser zu zeigen, präsentierte Prof. Sarnowski den zahlreich erschienenen Gästen auch eine ausgewählte zeichnerische Dokumentation, die als Grundlage der modernen Computervisualisierung diente.

Auf den Vortrag folgte eine interessante Diskussion. In deren Verlauf wurden zahlreiche Fragen bezüglich detaillierter Aspekte des Vortragsinhalts, wie z.B. nach der Möglichkeit, die auf der Krim gesammlten archäologischen Funde zu besichtigen, sowie die momentane Situation auf der Krim vom Standpunkt eines Forschers, gestellt. Abschließend dankte Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien Prof. Bogusław Dybaś den Gästen für ihre Teilnahme und lud alle herzlich ein, die interessanten Gespräche bei einem Glas Wein fortzusetzen.

Adam Czartoryski

 

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