Zwischen Historismus und Moderne. Das Faniteum in Wien

Mag. Aleksandra Szymanowicz-Hren

Am 8. Juni 2017 referierte Frau Mag. Aleksandra Szymanowicz-Hren in der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien über das Faniteum in Wien-Ober St. Veit als ein Bauwerk zwischen Historismus und Moderne.

Der Direktor des Zentrums, Prof. Bogusław Dybaś, hieß die zahlreich erschienenen Gäste herzlich willkommen und stellte die Referentin des Abends vor. Aleksandra Szymanowicz-Hren studierte Kunstgeschichte an der Jagiellonen-Universität Krakau. Seit 2010 lebt sie in Österreich. Mit dem Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien ist sie seit Beginn ihres Aufenthalts in Österreich verbunden. Sie war eine der Kuratorinnen der Ausstellung “Viribus Unitis? Polnische Parlamentarier in der Habsburgermonarchie 1848-1918” und arbeitete von 2013 bis 2016 am Forschungsprojekt „Karol Lanckoroński und sein handschriftlicher Nachlass in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek“ mit. Im Rahmen des Projekts war sie auch eine der Kuratorinnen der Ausstellung „Karl Lanckoroński und sein Wien“. Seit 2016 arbeitet sie im Rahmen des Forschungsprojekts „Das Faniteum. Bauwerk und Geschichte“ an einer Monographie zu diesem Thema. Das Projekt wird von der Lanckorońskistiftung gefördert. Sie ist Verfasserin kunsthistorischer Beiträge für wissenschaftliche Publikationen und Mitherausgeberin der Reisetagebücher von Lanckoroński über dessen Kleinasienexpedition. Gemeinsam mit ihrer Familie bewirtschaftet sie ein Bio-Weingut in Kärnten.

Während ihres Vortrags stellte Mag. Aleksandra Szymanowicz-Hren die Geschichte des Wiener Faniteums von seiner Entstehung bis heute vor. Das Faniteum in Wien-Ober St. Veit, das Karl Graf Lanckoroński Ende des 19. Jahrhunderts für seine im Kindbett verstorbene Gattin Franziska Lanckorońska von Attems-Heiligenkreuz errichten ließ, ist ein bemerkenswertes Bauwerk. Es ist Symbol für eine Epoche, in der man zur Vergangenheit eine neue Beziehung zu entwickeln begann - nicht mehr im Sinne eines „sentimentalen Gedächtnisses“, wie dies Hugo von Hofmannsthal formulierte, sondern als „produktiver Historismus“. Im Mittelpunkt des Vortrags stand die reiche Symbolik des Bauwerks. Aleksandra Szymanowicz-Hren präsentierte zahlreiche Illustrationen, die die im Faniteum verwendeten architektonischen Formen zeigten. Sie wies darauf hin, dass sowohl Arnold Böcklin, Gabriele D’Annunzio, als auch Hugo von Hofmannsthal und Sigmund Freud die Symbolsprache des Faniteums beeinflussten.

Nach dem Vortrag ergriff der Architekt Walter Hildebrand das Wort, der über Renovierung und Erweiterung des Faniteums unter seiner baulichen und künstlerischen Leitung in den 1970er Jahren sprach. Auf den Vortrag folgte eine interessante Diskussion. In deren Verlauf wurden zahlreiche Fragen bezüglich detaillierter Aspekte des Vortragsinhalts gestellt, beispielsweise nach der Möglichkeit, das Faniteum zu besichtigen. Abschließend dankte Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien Prof. Bogusław Dybaś den Gästen für ihre Teilnahme und lud alle herzlich ein, die interessanten Gespräche bei einem Glas Wein fortzusetzen.

Adam Czartoryski

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